StädtebauWettbewerbe

Arbachquartier
Teilnahme | Arbachquartier

Pfullingen | BY

Jahr
2016

Umfang
Städtebaulicher Realisierungswettbewerb

Mit

 
 

Das sehr heterogen überbaute Entwurfsgebiet im Norden der Stadt Pfullingen wird im Süden, Osten und Norden durch Bundesstraße B313 begrenzt. Im Westen schließen nördlich des Arbachs großflächige Gewerbebauten an. Der östliche Siedlungsrand wird derzeit durch Reihenhäuser definiert.

Zentrales Element und zugleich übergeordneter Freiraum ist der Arbach, der das Gebiet mäandrierend von Ost nach West durchfließt und dabei die Schwäbisch Alb bis ins Plangebiet vernetzt. Am westlichen Rand verläuft im grünen Bett der Radweg von Pfullingen nach Reutlingen und darüberhinaus.

Beide übergeordneten Freiraumsysteme sind neben der guten verkehrlichen Anbindung die beiden größten Potentiale für eine Entwicklung des Quartiers zu einem durchgrünten, verdichteten und nachhaltigen Wohnstandort.

Ausgehend von der idyllischen Arbachaue teilt sich das Plangebiet in zwei Bereiche. Zusammengehalten werden diese am Querungspunkt des Arbachs durch ein maßstäbliches Quartierszentrum. Hier entsteht neben dem Haltestellenbereich der Straßenbahn und einer verkehrlichen Verbindung von "Arbach ob der Straße" und "Arbachstraße" eine freiräumliche Inszenierung des Arbachs als übergeordnetes Freiraumelement. Der Zugang zum Wasser und zum Freiraum wird in unterschiedlichen Ebenen identitätsstiftend neu gestaltet. Der bestehende Spielplatz in unmittelbarer Nähe kann größtenteils erhalten, bzw. geringfügig umorientiert werden. Hier trifft, auf behutsame Weise, Stadt auf Landschaft - Nutzer gelangen fußläufig auf kurzem Weg von der Haltestelle in beide Quartiere.

Ausgehend von diesem Knotenpunkt erschließen sich in Verlängerung der "Arbach ob der Straße" im Norden und "Arbachstraße" im Süden die beiden neuen Stadtfelder. Im nördlichen Feld schließt dabei direkt ein neuer Quartiersanger an, welcher bis zur Brücke über die Bundesstraße. Nördlich des Angers können sich im Konversionsprozess des bestehenden Gewerbes neues wohnverträgliches Gewerbe oder mischgenutzte Typologien entwickeln. Hochpunkte mit fünf Geschossen markieren die Eingänge ins Quartier und unterstützen die Adressbildung.

Im Süden schließen den landschaftlichen Richtungen folgend, zwei grüne verkehrsberuhigte Wohnfinger an und vernetzen, im Übergang zwischen privaten, halböffentlichen und öffentlichen Freianlagen das Stadtfeld mit den übergeordneten Freiraumsystemen der Arbachaue. Am östlichen Rand entstehen Geschosswohnungsbauten in lärmgeschützter Bauweise und Ausrichtung. Entlang des Angers lagern sich im Erdgeschoss kleinere Nahversorgungseinrichtungen an und beleben den hier entstanden urbanen Raum.

Der Quartiersanger des südlichen Stadtfeldes erschließt sich über die Arbachstraße und einer kurzen Stichstraße im Westen. Am östlichen Rand flankieren Geschosswohnungsbauten in lärmgeschützter Bauweise und Ausrichtung den Anger. Von diesem ausgehend, verteilen sich drei weitere verkehrsberuhigte grüne Wohnfinger und eine Hofgruppe und vernetzen in Abfolge privater, halböffentlicher und öffentlicher Freianlagen diese mit dem übergeordneten Freiraumsystem. Im Sinne einer Oberflächenvergrößerung hat jedes Haus und jede Parzelle direkten Zugang zum übergeordneten Freiraum.

In diesen lagern sich vielfältige Nutzungen an. Nachbarschaftliche Treffpunkte, Grillstellen und Spielmöglichkeiten für Jung und Alt integrieren sich. Die bestehende Gehölzstruktur wird nahezu vollständig erhalten, selbstverständlich in das Konzept integriert und im Sinne der Quartiersentwicklung nachhaltig ergänzt und vervollständigt. Wie ein Reißverschluss greifen hier der städtischer Raum und die Grünen Finger ineinander und bilden somit wie ein Filter den Übergang zwischen Stadt und Landschaft.

In den aufgeweiteten Bereichen der Wohnanger entstehen wohnortnahe Treffpunkte, Kommunikationsorte und unterschiedliche Identifikationsräume. Kleinteilige Nachbarschaften fördern das Miteinander unterschiedlichster Sozial- und Altersgruppen.

Ein vielfältiges Fuß- und Radwegenetz schafft unabhängig vom Fahrverkehr zusätzliche Verbindungen zwischen den einzelnen Quartieren und Freiräumen und vernetzt diese mit den umgebenden Stadt- und Landschaftsräumen.

Flächen für den ruhenden Verkehr sind in ausreichender Zahl vorhanden. Parkiert wird straßenbegleitend und in Tiefgaragen.

Die Quartiere bieten in der Dimensionierung ihrer Baufelder und im Kontrast zwischen Bindung am jeweiligen östlichen Rand und Freiheit im jeweiligen westlichen Feld räumliche Stabilität und höchste Flexibilität in der Ausformulierung von Strukturen.

Das Grundgerüst aus Erschließungsangern und Grünen Fugen bietet den Quartieren Stabilität für eine flexible Anordnung der unterschiedlichen Haustypen und für ein nachfrageorientiertes und bedarfsgerechtes individuelles Bebauungsangebot.

Die prozessuale Entwicklung des Gesamtgebietes ist selbst in kleinen Teilabschnitten und unter Berücksichtigung einer sich verändernden Marktsituation innerhalb eines einzelnen Stadtfeldes möglich. Bei der Entwicklung des neuen Quartiers sollen alle Aspekte einer nachhaltigen umwelt- und flächenschonenden Bauweise beachtet werden.

Um solare Energiegewinne abzuschöpfen wird die Bebauung weitestgehend nach Süden ausgerichtet. Abstände und Verhältnis der Gebäude zueinander reduzieren etwaige Verschattung und sorgen für eine gesunde Wohnumgebung. Eine dezentrale Energieversorgung durch beispielsweise ein Blockheizkraftwerk wäre problemlos möglich. Regenerative Energien wie Solarenergie und Solarthermie können flächendeckend installiert werden. Dach- und Fassadenbegrünung sorgen für ein ausgeglichenes Quartiers- und Gebäudeklima. Durchgrünung und Durchlüftung sind Bestandteil der Leitidee des Konzeptes.

Kurze Wege im Quartier und eine gute Anbindung auch abseits der motorisierten Verkehrswege an die Versorgungsbereiche der Stadt Pfullingen sorgen für eine umweltfreundliche und gesunde Lebensweise.