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3.Preis Landesgartenschau Furth im Wald
Landesgartenschau, Furth im Wald
Jahr
2019
Auszeichnung
3. Preis
mit
Laura Veronese, Berlin
Matteo Basta, Berlin
Maria Gehrmann, Berlin
Marco Smerghetto, Berlin

Furth im Wald, bezeichnet als das Drachenland, liegt eingebettet zwischen Tälern und Bergen des Bayerischen Walds an der tschechischen Grenze in Bayern. Hier beginnt nun die Reise für die Besucher des Ortes durch eine Stadt der Gegensätze und erzählt eine Geschichte von Wasser und Feuer, von Aktivität und Erholung, von Vergangenem und Zukunft, Urbanität und Ökologie.

Die Gäste der Gartenschau sowie die ganzjährigen Besucher erreichen die Stadt z.B. mit dem eigenen Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln meist am Bahnhofsareal. Während der Gartenschau halten hier die Shuttlebusse. Am Bahnhof angekommen, kann zuerst das unter Denkmalschutz stehende Gebäude bewundert werden. In diesem befinden sich verschiedene Einzelhandelsunternehmen (zB. Bäcker, Friseur, verschiedene Geschäfte) aber auch eine Touristeninformation, welche bereits hier den ankommenden Besuchern Informationen über die Stadt Furth im Wald bietet.

Östlich davon befindet sich ein kleiner Kiosk/ Café, das zum Sitzen unter Sonnenschirmen an der Kalten Pastritz einlädt. Baumpakete spenden Schatten und stehen in wassergebundener Wegedecke. Hier können sich die Bewohner bspw. zum Boule-Spiel treffen. Die Abgrenzung zu den Gleisen bildet eine Mauer, die für Graffiti-Künstler zur Verfügung gestellt werden kann.

Ein (temporärer) Glaspavillon steht am östlichen Ende des Bahnhofareals und ist die neue Unterkunft für den Drachen, welcher zur Zeit der Gartenschau hier residiert. Später wird er in das vorgesehene Quartier in der Altstadt ziehen. Nach der Gartenschau kann der Pavillon als Markthalle genutzt werden, in welchem Aussteller bspw. ihre regionalen Produkte anbieten.

 

Fischerinsel - ehemaliges Hofer-Bräu-Areal

Nach dem Ankommen in der Stadt gelangt der Besucher über ein Wegeleitsystem entlang der Kalten

Pastritz zur zweiten Station - der ‚Fischerinsel‘. Über einen Steg läuft der Besucher auf die Mitte der Insel, welche ein neues Erscheinungsbild erhalten hat. Die hintere Fläche weicht dem ehemaligen steinernen Aussehen und wirkt durch seine eher natürliche Böschung wilder und natürlicher. In Richtung des ehemaligen Hofer-Bräu-Areals wird das Erscheinungsbild der Insel immer steinerner und besitzt nun überwiegend einen urbanen Grüncharakter. Alle Gebäude sind zugunsten der neuen Grünverbindung und wichtiger Sichtbeziehungen abgebrochen. Das Ende des Kopfbaus des Brauareals wird durch eine steinerne abgestufte Kante ersetzt und erinnert somit an ein Stück Geschichte. Auf der Insel befinden sich verschiedene Sitzmöglichkeiten, Spiel- und Erholungsangebote. Die Geschichte der Insel wird durch ein bodenbündiges Band ‚erzählt‘. Die Insel umfließende Kalte Pastritz erhält einen grünen Wasserpflanzensaum, welcher sich durch die gesamte Altstadt als ökologischer Korridor zieht.

 

Platz am Hofer-Teich

Vorbei an der Fischerinsel gelangt der Besucher an den Platz am Hofer-Teich, welcher nun ein ‚Gelenk‘ zwischen historischem Kern und Vorstadt bildet. Der Platz zeichnet die Grenzen vor den Toren der Stadt nach und deutet im Boden durch eingelegte ‚Intarsien‘ die ehemaligen Brücken und Platzsituationen an. Der Stadtplatz bildet nun nicht mehr vorwiegend eine Straßensituation, sondern wirkt ruhig und großzügig durch den neuen Natursteinpflasterbelag. Zudem bekommt die erhöht stehende Kirche sowie das ehemalige Stadttor eine besondere Bedeutung.

 

Himmelreich

Weiter geht es Richtung Himmelreich. Der Stadtplatz erhält bereits am Ufer Grünflächen, welche sich

Richtung Himmelreich weiter entlang ziehen. Hier befinden sich im Bereich der Gastronomien kleine Plätze, die als Außenbereiche dieser genutzt werden können. Zudem können sich Besucher ebenfalls mit einem Kaffee und einem Stück Kuchen in den Grünbereich der Kalten Pastritz setzen und die Seele baumeln lassen.

 

Spät-Bräu-Wohnquartier

Weiter entlang des Weges wird das neue städtische Wohnquartier erreicht. Dieses besteht aus einem Angebot von verschiedenen Wohnungstypen. Insgesamt entstehen hier vier Einfamilienhäuser in Ost-West-Ausrichtung und vier Doppelhäuser, sowie ein Geschosswohnungsbau mit sechs Wohnungen z.B. für Mehrgenerationen-wohnen. Die giebelständigen Einfamilienhäuser entlang der Lorenz-Zierl-Straße erhalten als äußeres Erscheinungsbild Satteldächer, fortführend zum historischen Bestand. Die rückwärtigen Gebäude

werden mit Flachdächern vorgesehen. Jedem Gebäude sind kleine private Parzellen zugeordnet.

Ein kleiner Anger quert das Quartier. Hier entstehen kleine Grün- und Spielflächen für die Bewohner. Von der Bräuhausstraße wird das neue Areal erschlossen. An der Straße befinden sich die privaten Stellplätze sowie ein Café mit kleinem Vorplatz. Hier könnte sich zudem ein kleines Museum für historische Bebauungen (Brauereien) entlang der Kalten Pastritz integrieren.

 

Lorenz-Zierl-Straße,  Altstadtring

Vom neuen Wohnquartier sowie vom Vorstadtplatz geht es weiter entlang der ehemaligen historischen

Mauer - heute, die Lorenz Zierl-Straße. Die klassische Straßenaufteilung mit Hochborden wird

aufgehoben und ein gleichmäßiger Bodenbelag aus Kleinsteinpflaster wird von Hauskante zu Hauskante gelegt.

Die Mitte wird durch ein Plattenband mit integrierter Rinne ausgebildet. Vereinzelte Bäume entlang des Altstadtrings spenden Schatten und laden durch Sitzbänke entlang der Kalten Pastritz zur Erholung ein. Der, den Stadtring begleitenden Flusslauf ist bspw. mit Iris und weiteren Wasserpflanzenarten bepflanzt und bildet wie im Bereich der Fischerinsel ein ökologisches Band im Inneren der Stadt.

Am Ende der Lorenz-Zierl-Straße (nördlich und südlich) weiten sich ebenfalls vor den Toren der Stadt kleine Stadtplätze auf. Diese Plätze sind ähnlich gestaltet wie der Platz am Hofer-Teich und weisen durch bodenbündige Intarsien auf ihre Besonderheiten hin. Alle Stadtvorplätze werden durch kleine Trinkbrunnen markiert und erzählen ein Stück Geschichte. Die Geschichte des Wassers, welches Furth im Wald durch Fischerei und Brauerei sowie für Obst-und Gemüseanbau über Jahrhunderte dienlich war und ist.

 

 

Gartenschauareal

Der Hauptstandort der Gartenschau wird auf der Drachenwiese gesehen. Das großzügige Areal bietet den Ankommenden alle notwendigen Infrastrukturen in unmittelbarer Nähe. Der Haupteingang mit Kassen, Infopunkt und Sanitären Einrichtungen führt über den Vorplatz an der Eschlkamer Straße, auf welchem Shuttle-Busse kurz halten können.

Der doppelte Hauptweg führt die Besucher auf das Gelände. In der Mitte der beiden Wege besticht ein fulminantes Blumenband, welches in Form einer Drachenschuppenstruktur mit Stauden und Gräsern als Wechselflor bepflanzt wird. Rechterhand kann die natürlich anmutende Drachenwiese mit ihren Staudenrändern und kleine Blüteninseln erkundet werden. Linkerhand werden der Gärtnermarkt und danach ein Biergarten und der Bühnenstandort vorgesehen. Die Anlieferung erfolgt versteckt über einen separaten Zugang von Osten.

Geradeaus befindet sich die Blumenhalle, in welche der Besucher eintreten kann, um alles rund um die Bepflanzung von Balkon und Garten zu erfahren.

An der Halle steht ein kleiner Drache aus Holz der Nebel sprüht – ein Besuchermagnet an warmen Tagen. Er verkörpert das Leitthema „Feuer und Wasser“ und wird zum Symbol der Gartenschau. Nach dem Besuch der Halle wird der Besucher über den Rundweg nach Osten zum Chambstrand und dem Auwäldchen mit dem Stand der Baumschulen geführt. Danach geht es weiter, an der Blumenhalle vorbei, zu den Themenbereichen der Gartenbauvereine und Umweltverbände. Ein Blick zurück zeigt zudem eine vielfältig bepflanzte grüne Fassade der Festhalle. Über die Bestandsbrücke gelangen die Besucher nun zum südlichen Chambauenpark mit seinen offenen Wiesenflächen. In Richtung Tageszentrum können die Besucher die Weidenschaukeln testen und den Aussichtsturm erklimmen. Der Rundweg führt am bepflanzten Ufer des entschlammten Teichs und des Japanischer Gartens entlang -  Orte der Ruhe und Entspannung. Dem entgegengesetzt kann das Spiel- und Sportareal besucht werden. Weiter Richtung Norden gelangt der Besucher zu den Themengärten der Ministerien, des Urban Gardenings sowie zur Streuobstwiese mit alten Obstgehölzsorten. An den „Chamb-Terrassen“ kann der Besucher sich ausruhen und bei regionalem Grillgut und einem kühlen Getränk zum Chamb hinabschauen. Hier spielen bereits die Kinder an der neu entstanden Furth und hüpfen über die im Wasser liegenden Steine, zur gegenüberliegenden Seite der Chambinsel mit ihrer spannenden Auendynamik und dem großen Spielplatz.

 

Wer hier mehr als Ruhe und Erholung sucht, kann weiter zum tschechischen Partnergarten gehen oder erhält Fachwissen bspw. über die Geschichte der Bienen in der nahegelegenen Imkerei oder erkundet die Ufergärten. Weiter geht es in Richtung Unterführung der Eschlkamer Straße. Eine barrierefreie Rampe führt unter dieser hindurch und steigt auf der gegenüberliegenden Seite wieder auf Bestandsniveau der Chambinsel an. Auf der anderen Seite befinden sich die Gärten der Friedhofsgärtnerei. Nun gelangt der Besucher in das Areal des Cave Gladiums. Die große Wiese mit Picknickzelten und der Gauklermarkt bestechen durch mittelalterliches Flair. Überall duftet es nach mittelalterlichen Gerichten. Von diesen gestärkt, kann noch die Kleinkunstbühne und der Kräutergarten besucht werden. Am Ende des Rundwegs angekommen, geht der Spaziergang weiter durch die malerische Altstadt mit all ihren Attraktionen und Angeboten. Geschichtenerzähler vermitteln an besonderen Orten die Geschichte der Stadt. Die Besucher lassen den Spaziergang an einer der Terrassen an der Kalten Pastritz ausklingen.

 

 

Daueranlagen des Gartenschauareals

 

Über mehrere gestärkte Anknüpfungen gelangt man von der Stadt aus in die nun aufgewerteten Chambauen.

 

Südlicher Chambauenpark

Über den Zippererweg oder das Gelände am Hallenbad erreicht man den südlichen Chambauenpark. Im Bereich Umfeld Tagungszentrum kann das neue Spiel- und Sportareal genutzt werden. Eine neue Skatanlage lässt Jugendliche ihre neuen Loops ausprobieren. Boulderwände und Outdoor-Fitnessgeräte stehen allen Altersstufen zur Verfügung. Eine veränderte Wegeführung im Bereich des Zipperersteigs führt die Nutzer nun auf direktem Wege von Süden auf die neugestaltete Chambinsel. Auch Wander- und Radwege vom Chamb-Ufer-Fußweg werden hier selbstverständlich über die Insel geführt. Die „Chamb-Terrassen“ - partiell in der Böschung eingelassene Sitzstufen auf flach ausgebildeten Wiesenplateaus - bieten hier Aufenthaltsmöglichkeiten am Wasser. Im Süden bietet das neue Aussichtsfenster den imposanten Blick in Richtung Hohenbogen und auf die Altstadt.

 

Chambinsel

Langfristig kann ein neuer Fußweg entlang des südlichen Endes der Kalten Pastritz die Verbindung zwischen Bayplatz und Chambinsel schaffen. Er führt nun direkt auf die neue Uferpromenade, vorbei am ökologisch vielfältig gestalteten, östlichen Ufer der Insel. Der linke Flussarm löst sich hier in mehrere schmale mäandrierende Flussläufe auf und kann zukünftig gezielt bei Hochwasser über die Ufer treten.

Schon von Weitem wird der neue Spielplatz sichtbar. Er entwickelt sich zum Anziehungspunkt für die Kleinen. Die offene Inselwiese wird von den Auengehölzen des Chamb gerahmt. Entlang der bereits etablierten östlichen Uferböschung komplettiert ein schmaler Weg den Rundweg um die Insel. Er führt über eine neue Querung der Eschlkamer Straße zur nördlichen Inselspitze. Hier präsentiert sich der neue Kapellengarten mit seinen Kräuter- und Staudenpflanzungen. Bänke und Pflanzungen am nördlichen Ufer des Chamb laden zum Ausruhen ein. Eine neue Brück im Norden verbindet die Insel mit dem Cave-Gladium-Gelände und darüber hinaus nach Nordosten entlang der Chambauen bis zum Drachensee.

 

Cave-Gladium-Gelände

Das Gelände wird in seiner heutigen Grundstruktur beibehalten. Ein neuer Rad- und Fußweg verbessert die Querungsmöglichkeit. Ein kleiner Mittelalterspielplatz am Chamb wird zum dauerhaften Anziehungspunkt. Eine neue Bühnenkplattform entsteht im Norden. Eine Verbindung zur Altstadt kann über den Chamb, die Wasserstraße und bis zum Schlossplatz aktiviert werden. Nach Süden zur Eschlkamer Straße wird eine offene Zuwegung gewährleistet, der Vorplatz erfährt hier eine aufwertende Neugestaltung. Hier kann eine Fahrradverleihstation etabliert werden.

 

Drachenwiese

Von hier gelangt man auf den Festplatz der Stadt – die Drachenwiese. Das westliche Chambufer wird hier auf die große Wiese erweitert. Wie Drachenschuppen streuen sich kleine, divers bepflanzte Hügel auf die Wiesenfläche. Robuste Betonmöbel können zum Aufenthalt genutzt werden. Beidseitig der neuen Wegachse auf die Festhalle kann der Untergrund entsiegelt und mit robustem Sportplatzrasen ausgebildet werden. Die beiden Wege der Mittelachse werden befestigt ausgeführt. Der Volksfestbetrieb kann uneingeschränkt stattfinden, da die Gehölzpflanzungen den Flächenbedarf der Fahrgeschäfte berücksichtigen. An Stelle der ehemaligen Drachenhalle wird ein ökologisch wertvolles Auwäldchen etabliert. Am Ende der neuen Wegeverbindung von Zipperersteig über die Chambinsel wird der Chambstrand mit Möglichkeiten zum Kneippen vorgesehen.