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1.Preis Landeswettbewerb Soest
Landeswettbewerb 2019 in Soest
Wohnen und Arbeiten am Bahnhof Soest
Jahr
2020
Auszeichnung
1. Preis
mit
Die Hansestadt Soest befindet sich östlich der Ballungsrandzone des Ruhrgebiets mit guten Verkehrsanbindungen und daraus resultierenden Pendlerbeziehungen zu den angrenzenden Oberzentren. Aufgrund ihrer Bedeutung als mittelalterliche Handelsstadt, nimmt Soest eine Sonderstellung in dem vorwiegend ländlich geprägten Raum der Soester Börde ein. Zum Bild der Stadt trägt insbesondere der weitestgehend noch erhaltene mittelalterliche Stadtgrundriss mit seiner säumenden Befestigungsanlage bei.

Das Plangebiet befindet sich im Nordwesten der historischen Altstadt und wird im Süden vom Bahnhof Soest begrenzt. Im Norden schließt nach einem Neubaugebiet für Einfamilienhäuser der freie Landschaftsraum an. Sowohl die Nähe zum historischen Zentrum als auch die enge Verknüpfung zum ÖPNV dh. zum Bahnhof Soest sowie die Nähe zum übergeordneten Landschaftsraum sind die größten Potentiale für die Entwicklung des neuen Quartiers.

 

Städtebauliches und Freiräumliches Konzept

Das Konzept greift diese Potentiale auf und schafft ein urbanes Quartier mit hohem Vernetzungsgrad und hochqualitativen Aufenthaltsqualitäten in den öffentlichen, halböffentlichen und privaten Freiräumen sowie innerhalb seines Grünraumsystems.

Das Quartier teilt sich in zwei Stadtfelder. Im Norden entsteht ein Wohnquartier aus insgesamt fünf Baufeldern, die sich als Inseln in das Grünsystem einfügen. Im südlichen Stadtfeld entstehen drei kleinere Mischgenutzte Baufelder die sich ebenso als Baugruppen in das Grüngefüge integrieren.

Im Westen des Quartiers entsteht als neuer zentraler Freiraum das Landschaftsbauwerk aus der abgetragenen und hier gelagerten Erdschicht. Neben den neu entstehenden Blickbeziehungen zur umgebenden Landschaft und zum Zentrum der Stadt Soest, entstehen von hier ausgehend neue Grünverbindungen in die angrenzenden Quartiere. Der von West nach Ost verlaufende Grüne Korridor trennt die beiden Stadtfelder und schafft neben seiner Funktion als wohnortnahe Erholungs- und Freizeitfläche eine grüne Verbindung zum Bahnhof und zum Zentrum der Stadt Soest. Nach Norden bindet ein grüner Finger die nördlich angrenzenden Stadtquartiere und den übergeordneten Landschaftsraum an. Nach Süden verknüpft das Landschaftsbauwerk die bestehende Radwegeverbindung und deren Grünzug mit dem neuen Quartier.

Zwischen den Baufeldern, d.h. den Inseln, entstehen ebenfalls kleinere grüne Fugen. Diese vernetzen sich in Nord – Süd Richtung mit den angrenzenden Quartieren und übergeordneten Freiräumen. Hier entstehen wohnortnahe Spiel- und Aktivitätsflächen. So ist es möglich abseits der motorisierten Verkehrswege ausgehend von der privaten Parzelle durch das Grünsystem in die angrenzenden Quartiere und übergeordneten Freiräume zu gelangen.

Der zentrale Spielbereich für das gesamte Quartier verortet sich am Fuße des Landschaftsbauwerks.

 

Erschließungskonzept

Die Erschließung erfolgt im Nordwesten über den Teinenkamp. Von hier führt eine verkehrsberuhigte Wohnstraße nach Südosten. An die Wohnstraße schließen Erschließungsringe für die einzelnen Baufelder an. Der gesamte Verkehrsraum wird als Mischverkehrsfläche ausgestaltet und erhält als öffentlicher Raum Aufenthaltscharakter. Alle Verkehrsteilnehmer nutzen gleichberechtigt den kompletten Querschnitt der Verkehrsräume. Um den Aufenthaltscharakter zu verstärken werden in jedem Baufeld kleine platzartige Aufweitungen angeordnet. Auf diesen Quartiersplätzen lagern sich vielfältige Nutzungen an. Hier entstehen wohnortnahe Treffpunkte, Kommunikationsorte und unterschiedliche Identifikationsräume. Kleinteilige Nachbarschaften fördern den ökologischen Austausch und das Miteinander unterschiedlichster Sozial- und Altersgruppen. Wohnortnahe Spielbereiche für Jung und Alt ergänzen die möglichen Nutzungen.

Das südliche Stadtfeld (A3+B1) wird über eine Verbindungsstraße an die Wohnstraße angebunden, die einzelnen Baugruppen werden ebenso durch einen verkehrsberuhigten Erschließungsraum verbunden. Am südlichen Ende des Stadtfeldes besteht hier eine Wendemöglichkeit um das Quartier wieder über den Teinenkamp zu verlassen. Ebenso wie im nördlichen Stadtfeld erhält jede der drei Baugruppen einen kleinen identitätsstiftenden Platzbereich. Auch hier dominiert der Aufenthaltscharakter der Straßenräume um dem Quartier urbane Treffpunkte zu ermöglichen. Die Querschnitte und Aufteilung der Straßen sind so gewählt, dass eine angemessene Geschwindigkeit garantiert wird. Ein Durchgangsverkehr findet nicht statt. Die Begrünung ist so gewählt, dass Sie die Geschwindigkeiten im Quartier reduziert

Parkiert wird in den drei Quartiersgaragen und innerhalb der Erdgeschosszonen der südlichen Zeilenbebauung im nördlichen Stadtfeld (A1). Zusätzlich sind im Erdgeschoss der zentral innerhalb der Baufelder angeordneten Reihenhäuser weitere Parkmöglichkeiten vorgesehen. Besucherstellplätze sind in ausreichender Anzahl entlang der Wohnstraßen vorgesehen. Ein vielfältiges Fuß- und Radwegenetz schafft unabhängig vom Fahrverkehr zusätzliche Verbindungen zwischen den einzelnen Quartieren und Freiräumen und vernetzt diese mit den umgebenden Stadt- und Landschaftsräumen. Am südwestlichen Gebietseingang an der Werkstraße entsteht ein großzügiger Platz als neues Entrée vom Bahnhof aus kommend. Hier bietet eine Fahrradstation mit Kiosk Möglichkeiten zur Kommunikation.

 

Bebauungskonzept

Die Baufelder bestehen aus der nach Süd-Westen orientierten Schallschutzbebauung,  den Zeilenbebauung, den östlichen Punkthäusern und den zentralen Reihenhäusern. Die Geschosswohnungsbauten besitzen drei bis vier Geschosse. Die Bebauung wird entlang der Platzbereiche zu nachbarschaftlichen Hausgruppen kombiniert und sorgt in seiner Vielfalt für ein gesundes soziales Gefüge aus unterschiedlichen Bewohnergruppen insbesondere jungen Familien. Die Quartiere bieten in der Dimensionierung ihrer Baufelder und Einbindung in das Erschließungs- und Grünsystem räumliche Stabilität und höchste Flexibilität in der Ausformulierung von Strukturen. Das Grundgerüst aus Erschließungsringen bietet den Quartieren eine feste Struktur für eine  flexible Anordnung der unterschiedlichen Haustypen und für ein nachfrageorientiertes und bedarfsgerechtes individuelles Bebauungsangebot. Die prozessuale Entwicklung des Gesamtgebietes ist selbst in kleinen Teilabschnitten, unter Einbeziehung der Grenzen der Vernetzungsbereiche und unter Berücksichtigung einer sich verändernden Marktsituation innerhalb eines einzelnen Stadtfeldes möglich.

 

Architektonische Vertiefung

Die Wohnungstypen innerhalb der Schallschutzbebauung werden hinsichtlich der Anforderungen des Förderprogramms gestaltet. Alle anderen Gebäude sind für den frei finanziert Markt konzipiert. Die  Geschosswohnungsbauten werden in ökonomisch organisierten 2 - 4-Spänner-Typen mit natürlich belichteten Treppenhäusern umgesetzt.

Sämtliche Räume erhalten neutrale und gut proportionierte Grundrisse und sind somit flexibel nutzbar. Die Küchen sind weitestgehend schaltbar und können im Sinne einer Wohnlandschaft zu Wohnküchen umkonfiguriert werden. Abstellflächen werden in Form von Wandschränken und abgeschlossenen Räumen geschaffen.

 

Gestaltung

Die Fassadengestaltung der Gebäude ist durch eine vertikale Gliederung aus Sockel, Schaft und Dach gekennzeichnet. Eine robuste wie hochwertige Verkleidung aus keramischen Fliesen markiert den Sockel, in welchem sich die eindeutig ablesbaren Eingänge der Wohnhäuser befinden. Der Schaft wird durch wohlproportionierte Öffnungen in der hochwertig verputzten und mit horizontalen Gesimsbändern versehenen Lochfassade gegliedert.

Durch klare Gestaltungsprinzipien, wie wiederkehrende Proportionen, ruhige Gliederungselemente, hell verputzte Fassaden und modulare Fenstertypen, entsteht ein Ensemble mit hoher baulicher Qualität. Die individuelle Variation serieller Elemente, wie Fenster, Loggien und Staffeln, erzeugt eine große strukturelle Gestaltungsfreiheit unter Wahrung einer einheitlichen Gesamterscheinung.

 

Konstruktion

Für die Neubauten wird ein einfacher Gebäudetypus mit einem rationalen Konstruktionsraster geplant. Die gebräuchliche Konstruktion aus Stahlbeton setzt sich aus den umlaufenden Fassadenstützen- bzw. -wänden, aussteifenden Kernen und Innenstützen zusammen. Innerhalb der Geschosse können durch die gewählten Spannweiten, minimierte Geschossdecken mit einer Bauhöhe von 22cm als unterzugsfreie Flachdecken realisiert werden.

Durch das stringente, einfache Tragwerk und die weitestgehend durchgängige Konstruktion mit wenigen Detaillösungen sind hochwirtschaftliche und gleichzeitig flexible Bauwerke umsetzbar. Der hohe Einsatz von vorgefertigten Elementen ermöglicht eine minimierte Realisierungszeit.

 

Nachhaltigkeit

Bei der Entwicklung des neuen Quartiers sollen alle Aspekte einer nachhaltigen umwelt- und flächenschonenden Bauweise beachtet werden. Um solare Energiegewinne abzuschöpfen wird die Bebauung weitestgehend nach Süden ausgerichtet. Abstände und Verhältnis der Gebäude zueinander reduzieren etwaige Verschattung und sorgen für eine gesunde Wohnumgebung.  Eine dezentrale Energieversorgung durch beispielsweise ein Blockheizkraftwerk ist gewünscht und problemlos möglich. Regenerative Energien wie Solarenergie und Solarthermie können flächendeckend installiert werden. Dach- und Fassadenbegrünung begünstigen ein ausgeglichenes Quartiers- und Gebäudeklima.

Kurze Wege im Quartier und eine gute Anbindung auch abseits der motorisierten Verkehrswege an die Versorgungsbereiche des Stadtteils Venn sorgen für eine umweltfreundliche und gesunde Lebensweise. Zahlreiche neue Gehölzpflanzungen verbessern das Quartiersklima zusätzlich. Trockenheitsverträglichen Gehölzen gelingt es auch während Dürreperioden ohne hohen Pflegeaufwand zu überdauern. Im Bereich der Bodenüberdeckung werden flachwurzelnde, kleinkronige Gehölze gewählt.