2. Rang |         Altcotta

Jahr

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2017

Umfang

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Werkstattverfahren

 

Auszeichnung

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2. Rang

 

Visualisierung

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Georg Lindenkreuz

Enrico Eggert

 

Erläuterungstext

 

Leitgedanke

Mit der verkehrstechnischen Umplanung der B170 und der hochbaulichen Neuausrichtung des Einzelhandelskomplexes "Am Frosch" in Altcotta geht die Chance einer städtebaulichen Neuordnung des gesamten Areals einher. Durch konkrete städtebauliche Setzungen, die Schaffung neuer Raumkanten und der freiraumplanerischen Überarbeitung wird Altcottas Identität geschärft und seinem heterogenen Gefüge eine räumlich klare Definition verliehen. Ziel ist die Ausbildung eines deutlich gefassten Quartiers mit einem eigenständigen räumlichen Charakter und einer identitätsstiftenden Ausstrahlung für den gesamten Stadtteil.

Zur Schaffung klarer Identitätsstrukturen für Bewohner und Besucher sieht der Entwurf vor, mit einer einheitlichen Gestaltsprache in Belag, Möblierung und Bepflanzung das Ensemble des Ortskerns als homogenes Bild zu entwickeln und mittels baulicher und freiraumplanerischer Qualität einen unverwechselbaren Ort zu schaffen. Die Mitte Altcottas wird somit nicht zuletzt auch als "ein Eingangstor" für den Stadtteil reaktiviert.

 

Städtebauliche Maßnahmen

Um dem Areal die Prägung eines hochwertigen Stadtraums zu verleihen, werden die umliegenden Raumkanten der heute teils offenen Blöcke geschlossen. Auf dem Bearbeitungsgrundstück definiert ein dreigeschossiger Baukörper den Platz, welcher sich an den Traufhöhen der umliegenden Gebäude orientiert. Ein neuer Hochpunkt markiert den Zugang über den Flügelweg in Richtung Ortsamt.

Zwei Durchgänge erlauben die Durchwegung vom Platz in den neuen Rübezahlpark im Süden des Areals. Unter Einbezug des, wieder wie ursprünglich freistehenden, Gewerbegebäudes "Am Frosch" gruppieren sich zwei weitere dreigeschossige Baukörper mit insgesamt ca. 50 Wohneinheiten für den sozialen Wohnungsbau um zwei neu geschaffene Hofsituationen. Die drei Gebäude bilden eine zusammenhängende städtebauliche Figur, welche sich nach Außen geschlossen präsentiert und dennoch Durchlässigkeit in alle Richtungen zulässt.

Die Anordnung des östlichen Baukörpers verläuft parallel zu der neugeplanten B170 bzw. der Weißeritz. Zur Steigerung der Wohnqualität erfolgt hier ein Rücksprung des Gebäudes auf die Flucht der nördlich stehenden Bebauung und Anordnung der zugehörigen Stellplätze direkt an der B170. Die südlichen Gebäudekanten schaffen einen städtebaulichen Abschluss des Ensembles zum neuen Park und gegenüber dem Gebäude des Ortsamtes. Der Abstand wird bewusst großzügig gehalten, um dem historischen Bau genügend Raum zu belassen, gleichzeitig entsteht eine kleine platzartige Aufweitung gegenüber dem Haupteingang des Gebäudes, welche zum kurzen Verweilen einlädt. Das bis dato eher unauffällig liegende Ortsamt mit seiner prägnanten Fassade kommt somit deutlicher zur Geltung und die Zufahrt aus Südosten wird gefasst.

Stellplätze für Behinderte integrieren sich selbstverständlich im Bereich der Raimundstraße. Die Parkflächen für die Neubauten in östlicher und südlicher Richtung befinden sich alle in unmittelbarer Wohnhausnähe. Ausreichend Fahrradstellplätze verbessern die Stellplatzsituation zusätzlich.

 

Freiraumkontinuum

Das Entwurfskonzept verstärkt mit seinen "durchlässigen" Räumen die angedachte grüne Durchwegung beginnend am Gymnasium Dresden-Cotta über den Platz Altcotta und der Raimundstraße weiter durch das Einzelhandels- und Wohnareal, bis hin zur gestalteten Grünflache. Der Platz zwischen Tonberg- und Raimundstraße wird gestalterisch aufgewertet ohne ihn komplett zu überplanen. Eine neue Verbindung zum Haupteingang des Versorgungsmarktes gliedert die bestehende Grünfläche. Neue Einfassungen und Sitzmöglichkeiten lassen Aufenthalt im städtischen Raum zu. Eine pflegeleichte Staudenmischpflanzung wertet den Platz auf. Östlich der Raimundstraße entsteht, durch die leicht zurückversetzte Gebäudekante, ein Aufenthaltsbereich mit Bezug zum Platz. Hier finden u. A. mögliche Freisitze für die Gewerbeeinheiten Raum, eine Pflanzung mit Säuleneichen markiert den Übergang zum Stadtraum.

Das Innere des neuen Ensembles ist geprägt durch die beiden geöffneten Höfe. Der nördliche Hof erfüllt überwiegend infrastrukturelle Funktionen wie Parken, Anlieferung und der Zufahrt zur Tiefgarage. Der halböffentliche südliche Hof bietet einen hochwertigen, durchgrünten Freiraum mit Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten frei von Parkierung. Ziel ist die Erzeugung eines klaren Kontrastes zu den existierenden Straßen mit einer deutlichen Verbindung zum weiter südlich neu geschaffenen Park.

Die parkähnliche Grünfläche schafft mit ihren Wiesen, Sträuchern, den Baumhainen und der Anordnung verschiedener Spiel- und Sportgeräte den Raum für Ausgleich und Erholung. Der hohe Anteil aus extensiven Pflanzflächen erfüllt die Anforderungen der Ausgleichsfläche, punktuell werden intensiv nutzbare Bereiche vorgeschlagen, welche das Angebot an Freiraumnutzung ergänzen. Das Aufgreifen der Figur des Rübezahls, kann dieses inhaltlich bereichern und die Identität mit dem Ort stärken.

 

Gewerbe- und Wohnkomplex

Das Gebäude des Einzelhandelskomplexes beherbergt neben dem gewünschten Lebensmittelmarkt auch Platz für weitere Gewerbe- oder Dienstleistungseinheiten, Pflegeeinrichtungen und Wohngemeinschaften für altersgerechtes Wohnen.

Die Anlieferungszone des Einzelhandels ist in das Gebäude gestalterisch integriert. Die so erreichte Anordnung des Lieferverkehrs ermöglicht einen störungsfreien und unabhängigen Betrieb des Parkplatzes. Alle Stellplätze des Einzelhandels sind im Außenbereich des Hofes untergebracht. Im Untergeschoss wird eine Tiefgarage mit ca. 45 Stellplätzen vorgesehen. Die Tiefgarage beherbergt weitere Kapazitäten für die Pflegeinrichtung und die weiteren Gewerbeeinrichtungen. Gleichzeitig entstehen so nutzbare Kapazitäten für die eventuell geplante Erweiterungen des Lebensmittelmarktes.

Die Fassade des Gewerbe- und Wohnkomplexes wird gegliedert in einen aus Klinkersteinen ausformulierten Sockel in der Erdgeschosszone, sowie einer zurückhaltenden, zeitlosen Obergeschosszone, welche über eine dezente Fuge voneinander abgrenzt werden. Ergänzt wird die Sockelzone aus einer partiell ausformulierten Glasfront im Bereich der zusätzlichen Gewerbeeinheiten. Hier könnten Gewerbeeinheiten mit einer gewissen Außenwirkung wie Cafés oder Bäcker untergebracht werden. Neben dem Einzelgewerbe und dem Lebensmittelmarkt mit dazugehöriger Verwaltung im Erdgeschoss entstehen im 1. Obergeschoss drei separate Wohngemeinschaften sowie eine ambulante Tagespflegeeinrichtung. Der Großteil der Wohnungen hat Zutritt auf die in Richtung Süden ausgerichtete Dachterrasse. Im 2. Obergeschoss sowie im Hochpunkt Tonbergstraße / Ecke B170 befinden sich 30 altersgerechte 1 bis 2 Personen Haushalte.

Die Architektursprache der in Bauphase II entstehenden Sozialwohnungsbauten orientiert sich an der Fassade zur Raimundstraße.

 

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