3. Preis |      Hafenquartier

Jahr

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2017

Umfang

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Interdisziplinärer Ideenwettbewerb

 

Auszeichnung

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3. Preis

 

Visualisierung

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Lindenkreuz Eggert Bildermacherei & Utopografie

 

Mit dem Hafenquartier schließt die Stadt Cottbus, als eine der wenigen Großstädte Deutschlands, an einen Binnensee in der Größenordnung des Ostsees an. Damit entsteht nach langen Jahren des Landschafts- und Strukturwandels ein gewaltiges Potential für eine Neuausrichtung der gesamten Region. Das Hafenquartier als urbaner Ort am Ufer hat dabei eine Schlüsselfunktion. Es bringt die Stadt an den neu entstehenden Ostsee heran.
 
Städtebauliches Konzept, Nutzungen
 
Das Konzept greift den Gedanken urbaner Qualitäten am Wasser auf. Auf direktem Wege vernetzt sich das Hafenquartier, über die Seeachse Cottbus mit der Cottbusser Innenstadt. Die Achse teilt sich kur vor dem Quartier in zwei Teile. Die direkte Verbindung entlang der ehemaligen Bahntrasse trifft im Norden des Quartiers auf die Aussichtsbastion mit dem Merzdorfer Aussichtsturm. Der südliche Abzweig der Achse trifft über die B168 auf den neuen zentralen Bereich des Quartiers am Wasser.
Hier entsteht ein zentraler Platz als urbaner Raum. Dieser verbindet, über das Ufer begleitende Promenade, die ausgestalteten Übergänge in die Landschaft. Der Platz ist umstanden von dreigeschossigen Baukörpern, die überwiegend mischgenutzt sind. In den offenen Erdgeschossen befinden sich zentrale Nutzungen. Restaurants, Dienstleistungen, kleine Läden und Veranstaltungsbereiche beleben den Ort.
Entlang der Promenade wird eine klare Kante aus dreigeschossigen Zeilen, senkrecht zum Wasser angeordnet. Nördlich des Platzes schließt eine Hotelanlage, die sich zum Wasser hin öffnet, an.
Im Süden entsteht im gleichen Duktus ein Stadtfeld aus, teils wohn- teils ferienwohngenutzter Gebäude. Die eingeschossigen Pavillons zwischen den Zeilen nehmen weitere gastronomische und gewerbliche Nutzungen auf. Im rückwärtigen Bereich des Stadtfeldes werden freistehende, drei- bis viergeschossige Stadtvillen angeordnet. Die Dimensionierung der Baufelder lässt Raum für Flexibilität und damit einer bedarfsgerechten und nachfrageorientierten Bebauung. Das Quartier lässt sich in Teilbereichen realisieren.
 
Weiter südlich entlang der Promenade entsteht das eigentliche Hafengelände. Das Stadtfeld dreht sich leicht entlang der Richtung der Promenade ein. So entsteht ein kleiner aufgeweiteter Platzbereich entlang des Ufers, als Auftakt zum Hafenbereich.
200 Bootsliegeplätze lagern vor den beiden Baukörpern des Sport- und Gesundheitszentrums. In den beiden dreigeschossigen Baukörpern befinden sich die Bereiche für den Wassersport und die zugehörigen Gesundheits- und Dienstleistungseinrichtungen in erforderlicher Größe. Im südlichen Übergang zur Landschaft gliedert sich die Slipanlage ein.
 
In Verlängerung des zentralen Platzes entsteht auf dem Wasser als neuen Wahrzeichen das Zukunftsfenster – die „Lausitz-Stege“. Der zweigeschossige Baukörper entwickelt sich als aufsteigendes Stegelement in den See  und bietet neben den baulichen Nutzungen im Zusammenhang mit der Forschungs- und Kulturlandschaft Cottbus einen weiteren Ausblick auf den Ostsee und entlang der Promenade. Daneben bietet der Steg die Möglichkeit additiv in schwimmenden Inseln innovative Konzepte der Energiegewinnung bzw. das Forschungsfeld der Zukunftstechnologien zu testen und zu präsentieren.
 
Aus den beiden Stadtfeldern entsteht eine klar definierte Kante entlang der Promenade und mit den anliegenden Plätzen ein urbaner Ort am Wasser. Die klare Struktur vermittelt neben dem Ankommen der Stadt am Ostsee, insbesondere in ihrer Gestaltung und Durchlässigkeit in den oberen Geschossen auch die Leichtigkeit historischer Bäder- und Hafenarchitektur. Ein gestalterisch aufgelockerter, geöffneter Sockelbereich aus filigranen Kolonnaden unterstützt den Eindruck. Helle regionale Materialien wie beispielsweise weißer Klinker in den Fassaden unterstützen das Konzept aus klarer städtebaulicher Figur und Leichtigkeit in der Gestaltung. 
 
Erschließungskonzept
 
Ausgehend vom Anschlusspunkt an der Bundesstraße entsteht parallel eine Planstraße im Rücken des Quartiers. Von dort verzweigen verkehrsberuhigte Straßen an die jeweiligen Baufelder. Die Promenade bleibt weitestgehend frei von motorisiertem Individualverkehr. Parkiert wird auf den Parzellen und entlang der Straßen. Für die Hotel und Hafenanlage stehen Stellplätze im rückwärtigen Freiraumbreich entlang der Planstraße zur Verfügung. Zukunftsfähige Mobilitätskonzepte, Elektromobilität, Carsharing und ÖPNV sollen bewusst bevorzugt werden. Zwei Haltepunkte für Busse werden vorgesehen, am südlichen Ende der verkehrsberuhigten Straße entsteht eine Wendemöglichkeit für Busse. E-Tankstellen, verknüpft mit den energetischen Gewinnen aus dem Quartier, unterstützen das Konzept.
Ein feingliedriges Wegesystem für den Fußgänger- und Radverkehr, auch abseits der motorisierten Verkehrswege sorgen neben der Reduzierung von Lärm auch für ein ausgeglichenes Quartiersklima. Die Promenade als übergeordneter Fußgängerbereich erschließt jedes Gebäude im Gebiet.
 
Freiraumplanerisches Konzept
 
Ein System hochwertiger Freiräume unterschiedlicher Typologien bildet das Gerüst des Hafenquartiers. Prägendstes Element ist die langgestreckte Promenade am Ostsee. Großformatige, helle Ortbetonplatten schaffen hier einen ruhigen Untergrund. Ein rhythmisches Muster aus Pflanzflächen, Spielbereichen und Klinkerbändern, zoniert die Promenade und schafft Raum und Angebote für alle Altersgruppen. Holzliegen bieten großzügige Sitz- und Liegeflächen, darüberhinaus können einzelne Flächen mit Freisitzen der Cafés oder Strandkörben besetzt werden. Besonderes Highlight werden die Wasserterrassen, welche als kurze Stege über die Brüstungsmauer auskragen. Durch die leichte Abtreppung zur Wasseroberfläche entstehen hier Sitz- und Liegemöglichkeiten mitten im Wasser. Die Marina bildet den südlichen Abschluss der Promenade. Im Norden dagegen, vermittelt eine geneigte Wiesenfläche zwischen den beiden Höhenniveaus am Aussichtsturm und am Ufer. In Reminiszenz an Pücklers Seepyramide, entsteht hier ein, als Liegewiese interpretierter, barrierefrei begehbarer Rasenkörper.
Als Endpunkt der Seeachse wird der nunmehr eingebettete Aussichtsturm mit Blick über den Ostsee und Übergang zum nördlichen Strand, beliebter Rast- und Erholungsort.
Ein Saum aus Kiefern schließt optisch an die umgebende, ortstypische Vegetation an und schirmt, in Verbindung mit der Böschung, das Hafenquartier von der Bundesstraße ab. Auf der Promenade schaffen in Gruppen stehende intensiv gelbgrün leuchtende Gleditschien (Gleditsia triacanthos sunburst) eine angenehm heitere Atmosphäre. Auch der "Pückler-Platz" wird mittels eines Gleditschienhains markiert. Materialbänder verbinden Platz und Promenade und schaffen eine abwechslungsreiche Szenerie für den großzügigen Raum, auf dem Außengastronomie, Marktplatz und Veranstaltungen stattfinden können. Die angelagerten „Lausitzstege“ dienen darüberhinaus als Seebühne, u.a. für die vielgestaltige Theaterlandschaft von Cottbus, von dessen Dach aus man das mondäne Hafenquartier überblicken kann.

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