2. Preis | Natur in Wassertrüdingen

Jahr

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2014

Umfang

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Wettbewerbsverfahren

 

Mit

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STORCH.LANDSCHAFTSARCHITEKTUR

hanf Gartenarchitekt und Landschaftsplaner

 

Visualisierung

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Dipl.-Ing. Architektur Georg Lindenkreuz

 

Auszeichnung

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2. Preis

Erläuterungstext

 

Der direkte Bezug zwischen Stadt und Landschaft insbesondere zu dem Element Wasser prägt seit jeher das Bild der Stadt Wassertrüdingen. Idyllisch an der Wörnitzaue gelegen, bildet die Stadtgrenze im Süden über das Wasserschloss und den Stadtmühlenweiher einen direkten Übergang zwischen historischer Altstadt und dem Flussraum. Auch der im Norden gelegene Grünzug am Klingenweiher bindet, als grüne Fuge der geplanten Stadterweiterung, sowohl die Landschaft und das Naherholungsgebiet Baudenhardt als auch das Wasser in den Stadtkörper ein.
Diese Qualitäten und deren Übergang werden durch das vorliegende Konzept innerhalb der Maßstäblichkeit des Ortes durch punktuelle Eingriffe und deren Vernetzung gestärkt und während der Gartenschau inszeniert.
Den Übergang definiert je ein aus den Gegebenheiten und Notwendigkeiten des Ortes entwickeltes Landschaftsbauwerk. Im Norden inszeniert ein künstlicher Hügel im Gelände der ehemaligen Deponie den Blick in die Stadt und die Landschaft. Im Süden entsteht aus der Notwendigkeit des Hochwasserschutzes ein Deichbauwerk. Dieses definiert einerseits den Übergang zwischen Landschaft und Stadt und inszeniert andererseits den Übergang zwischen Stadt und Landschaft.
Beide Punkte bilden die Pole zwischen den jeweils angrenzenden Flächen des Wörnitzparks und des Landschaftsparks Klingenweiher und sind über die bereits vorhandenen Beziehungen im Stadtkörper zum einen urban über den Altstadtkern zum anderen durch Grünelemente wie dem Sonnenuhrenpark, der Allee am Weinbergweg und dem Friedhof verbunden.

Landschaftspark Klingenweiher

Im nördlichen Bereich wird der Landschaftspark Klingenweiher die neue grüne Mitte der zukünftigen Stadterweiterung. Über die Marktstraße und den Weinbergweg verbindet sich dieser Teil mit dem Bereich des Wörnitzparks. Der Landschaftspark ist sowohl durch die drei Klingenweiher als auch durch die markante Topographie der ehemaligen Lehmgrube und der rekultivierten Deponie geprägt. In den oberen Weihern befinden sich kleine Inseln, welche über Trittsteine erreicht und so spielerisch erkundet werden können. An den Weiherufern finden sich zusätzlich Stege und Terrassen, die das Wasser direkt erlebbar machen. Ein zentraler Bereich ist neben den Weihern selbst der Obsthain mit dem Pavillon der Moststation, welcher als dauerhaftes Element in die Fränkische Moststraße eingebunden wird. Der Obsthain wird durch zusätzliche Pflanzungen auf der rekultivierten Deponie erweitert. Der nördliche Teilbereich mit der ehemaligen Lehmgrube und der Deponie wird über ein Wegenetz erschlossen, das die zentralen Punkte günstig miteinander verbindet und sich natürlich in die Hügellandschaft einbettet. Im Bereich der ehemaligen Lehmgruben findet sich zudem ein informierender Naturlehrpfad, der auf Stegen durch das grüne Klassenzimmer der rekultivierten Landschaft führt. Ein Aussichtspunkt bietet den Ausblick über den Landschaftspark, die Stadt und das angrenzende Naherholungsgebiet. Spielbereiche wie Trimm-Dich und Landschaftsschaukeln ergänzen das umfangreiche Angebot.

Wörnitzpark

Die Verlegung der Wörnitz, die Abkopplung dieser vom Stadtmühlenweiher und der Bau eines Hochwasserdeiches vor den südliche Stadtrand Wassertrüdingens, stellen einen massiven Eingriff in das bestehende Gefüge zwischen Stadt und Landschaft dar. Dieser Eingriff birgt aber auch das Potential, den Übergang neu zu gestalten.
Durch die Verknüpfung von Deich und Stadt über eine allmählich ansteigende grüne Ebene zwischen Mühlenweiher und Wörnitz löst sich die Barriere auf und die Stadt verschränkt sich trotz des Deichs wie selbstverständlich mit der umgebenden Landschaft.
Aus der Landschaft zeichnet sich ein abwechslungsreiches Bild von ineinander übergehenden Ebenen und Rampen, die durch gemauerte Bastionen den Übergang aus der Auenlandschaft in die Stadt betonen. Dem umgenutzten Lagerhaus zugeordnet entsteht ein Stadtplatz, an dem sich der Deich zu einem Plateau verbreitert - eine Stadtbühne für Veranstaltungen unterschiedlichster Art, insbesondere im Rahmen der Gartenschau.
Von diesem zentralen Knotenpunkt aus kann ohne Einschränkungen die Wörnitzaue über den Deich erreicht werden: Der Deich entwickelt sich damit von einem trennenden zu einem verbindenden Element. Rampen führen von der Mauerkrone zum Flussufer, das über Wasserspielplätze erlebbar und bespielbar wird. Der neue Mühlweiher, der an seinem Standort den heutigen Verlauf der Wörnitz nachzeichnet, lädt zum Verweilen ein. Kleinere Einbauten setzen am Ufer des Mühlweihers Akzente.
Im Osten bindet sich der neu gestaltete Verkehrserziehungsplatz als Multifunktionsfläche mit unterschiedlichsten Sportmöglichkeiten an. Der Festplatz bleibt in Form, Lage und Größe erhalten. Die Infrastruktur wird erneuert.
Auch der Schlossgraben bleibt in seiner Form erhalten. Die Zugänglichkeit wird jedoch verbessert. Kleine Pflanzungen, spielerische Einbauten und ein informelles Wegenetz laden nach der Gartenschau als integrative Kommunikationsorte die Bürger Wassertrüdingens zum verweilen ein.
Westlich des neuen Mühlweihers wird das alte Mühlengebäude durch ein idyllisch gelegenes Café und Museum umgenutzt. Zwischen den beiden Mühlengebäuden zeigt eine Wasserkraftschnecke die Möglichkeiten regenerativer Energiegewinnung. Die Gesundheitsaspekte des Wassers spricht ein Kneippbecken am neuen Mühlgraben an. Nördlich davon befindet sich erweiterte Caravanstellplatz. Entlang der Stadtmauer und des Wasseruhrenparks gelangt man wie durch einen grünen Mantel um den Altstadtring in das nördlich gelegene Klingenweihergebiet.

Ausstellungskonzept

Da das Element Wasser für das Leben in Wassertrüdingen ein wichtiger Faktor ist, greift die Gartenschau dieses thematisch auf. So werden die Gewässer im Bearbeitungsgebiet besonders inszeniert und in umfangreichem Maße zugänglich gemacht. Auf das temporäre Bestehen der Ausstellungsanlagen wird spielerisch durch die blasenartige Gestaltung verschiedener Elemente hingewiesen, welche auch auf den wohltuenden Zustand von Wasser in Form von Schaum hinweist.
Das Gelände der Gartenschau teilt sich in zwei große Bereiche. Ein Teil befindet sich am Altstadtrand südlich und östlich des ehemaligen Wasserschlosses und ist stark durch die Wörnitz geprägt. Der andere Teil befindet sich am nördlichen, in Zukunft zu bebauenden Stadtrand und wird von den Klingenweihern sowie durch Topographie dominiert. Erschlossen wird die Gartenschau im Bereich des Wörnitzparks über die Mühltorstraße und die Straße „An der Schloßwand“ westlich des Wasserschlosses, im Bereich der Klingenweiher am südöstlichen Ende des größten Weihers. Der Eingangsbereich wird durch Fontänen und Wasserspiele inszeniert, welche dem eintretenden Besucher als erster Blickfang dienen. An den Eingängen finden sich zusätzlich Informationspunkte, sanitäre Einrichtungen und gastronomische Infrastruktur. Ausstellungsflächen liegen südlich des Wasserschlosses und im gesamten Bereich nördlich der alten Stadtmühle, südlich und westlich des größten Klingenweihers und nördlich der Weiher.
Das neu konzipierte Wegenetz verbindet alle Teilbereiche der Gartenschau auf abwechslungsreiche Weise und macht bislang unzugängliche Bereiche erreichbar. Im südlichen Gelände der Gartenschau befindet sich der Festplatz mit dem Festzelt, welches während der Gartenschau für gastronomische Zwecke genutzt wird und zum Aufenthalt auf der angrenzenden Liegewiese einlädt. Zwischen diesen Einrichtungen sind weiträumige Ausstellungsflächen und der Verkehrsübungsplatz mit integrierten Sportflächen angelegt. Die Stadtbühne gibt Raum für Veranstaltungen, die schräge Ebene, welche sich zwischen Mühlteich und Deich aufspannt, inszeniert den Blick in die freie Landschaft, zusätzliche Infostände, Ausstellungsflächen und Gastronomie sowie bespielbare Flächen vervollständigen das Angebot. Eine Besonderheit sind die aufblasbaren Spielflächen im breiten Graben des Wasserschlosses in Anlehnung an den am wenigsten dauerhaften Zustand von Wasser. So bilden Hüpfkissen, die an Schaumblasen erinnern, eine außergewöhnliche Spiellandschaft. Diese wird nach Ablauf der Gartenschau rückgebaut und hinterlässt Spuren, welche die Form der Blasen etwa durch dauerhafte Elemente wie Trampoline und diverse Pflanzungen nachzeichnen und somit die weiterführende Nutzung durch die Anwohner gewährleisten und attraktiv machen.

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