4. Preis | Wohngebiet Sonnenrain

Jahr

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2014

Umfang

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Wettbewerbsverfahren

 

Auszeichnung

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4. Preis

Erläuterungstext

 


Auf der Hochebene über dem Kochertal liegt östlich der Kernstadt und westlich von Hessental das Entwurfsgebiet für das Wohngebiet und den Landschaftspark Sonnenrain. Gleichzeitig ist das Plangebiet die verbleibende Grünzäsur zwischen den beiden Siedlungsbereichen. Das Konzept „Zwischen Stadt und Landschaft“ begreift diese als das größte Potential zur Entwicklung eines nachhaltigen Ortsteils und Landschaftsparks.


Landschaftspark


Der Landschaftspark Sonnenrain entwickelt sich aus den angrenzenden Siedlungsrändern. Diese werden unter Einbeziehung der an den Ortsrand angelagerten Nutzungen, wie beispielsweise den Sportfeldern, durch Gehölzstrukturen arrondiert und damit definiert und gefestigt. Als Kern des Landschaftsparks bleibt ein intensiv genutztes Offenland, um den räumlichen Bezug zwischen den nördlich und südlich angrenzenden offenen Landschaftsräumen zu erhalten und zu verstärken. Zwischen offener Landschaft und Siedlungsrändern wird eine neue extensive Zone angelegt, die in Ihrer ökologischen Aufwertung durch Feuchtbiotope, vielschichtige Heckenstrukturen, Obsthainen, Gräben und wertvollen Einzelgehölzen das ökologische Ausgleichskonto der Stadt Schwäbisch-Hall bereichert. Grüne Bänder durchschneiden die Strukturen der offenen Landschaft und der Randbereiche und ergänzen mit einem breiten Nutzungsspektrum aus Spielmöglichkeiten, Trimm-Dich und Naturlehrpfaden das Angebot des Landschaftsparks. Dabei verbinden sie die unterschiedlichen Stadträume zwischen Ost und West über die Grünzäsur hinweg. Ein Rundweg entlang der Kante des Offenlandes verbindet die unterschiedlichen Teile und verteilt die Besucher in die angrenzenden Landschaftsräume. Der Tafelberg wird Bestandteil des Landschaftsparks und lässt diesen aus einer anderen Perspektive erleben.

Städtebauliche Einbindung


Das Areal am Sonnenrain bietet aufgrund seiner Lage am nordöstlichen Rand des Siedlungsteils Hessental ein großes Potential, sich zur Schnittstelle zwischen Stadt und unbebauter Landschaft zu entwickeln. Über die Bühlertalstraße und die Wirtsgasse im Süden bindet das Gebiet direkt an das Dorfzentrum Hessentals an. Über die Bühlertalstraße wird darüberhinaus eine Verbindung zum übergeordneten städtischen und regionalen Gefüge geschaffen. Im Norden wird das Gebiet durch den neu entstehenden Landschaftsstreifen begrenzt. Im Osten bindet das Gebiet an den Landschaftsraum Vogelgraben und über eine mögliche Busschleuße direkt an das Gewerbe- und Wohngebiet Solpark an. Im Westen begrenzen die Obstwiesen des Landschaftsparks das Plangebiet.


Freiflächenkonzept


Rückgrat und zugleich identitätsstiftender Ort ist der Grüne Korridor mit seinem Übergang in den neuen Quartiersplatz. Dort trifft Stadt auf die Landschaft. Ausgehend vom Quartiersplatz führt eine Promenade an einem Wasserlauf in die Grüne Fuge, die das Quartier in zwei Stadtfelder teilt. Im Westen geht der Grüne Korridor in einer Aufweitung in den Landschaftsraum über. Aus dem Korridor zweigen in Nord-Südrichtung Grüne Finger ab. Diese umgreifen die Quartiersinseln und binden sie an den Landschaftsraum an. Im Sinne einer Oberflächenvergrößerung hat jedes Haus und jede Parzelle direkten Zugang zum übergeordneten Freiraum. In diesen lagern sich vielfältige Nutzungen an. Nachbarschaftliche Treffpunkte, Grillstellen und Spielmöglichkeiten für Jung und Alt integrieren sich in die Finger. Die direkte Zuordnung der gemeinschaftlichen Grünfläche zur Parzelle fördert den sozialen und ökologischen Austausch unterschiedlichster Nutzer- und Altersgruppen. Das Wasser wird im Grünen Korridor zum identitätsstiftenden Element. Anfallendes Regenwasser wird über ein System aus neu angelegten und bestehenden Gräben gesammelt und in den Vogelgraben und Selesäckerbach entwässert. Dieses System wird neben seiner ökologischen Funktion auch zum gestaltenden Element und spielerisch genutzt. Die bestehende Gehölzstruktur wird nahezu vollständig erhalten, selbstverständlich in das Konzept integriert und im Sinne der Quartiersentwicklung nachhaltig ergänzt und vervollständigt.


Erschließung / ruhender Verkehr


Der zentrale Quartiersplatz am Ortsteileingang bindet im Süden über die Bühlertalstraße und die Wirtgasse an bestehende Siedlungsbereiche an. Ausgehend vom Quartiersplatz teilt sich der Verkehr auf zwei verkehrsberuhigte Bereiche in die vom Grünen Korridor geteilten Stadtfelder. Von dort verästelt sich die Erschließung durch die Ausbildung von Wohnangern in die jeweiligen Quartiersinseln. Wie ein Reißverschluss greifen hier städtischer Raum und Grüne Finger ineinander und bilden somit einen Filter als Übergang zwischen Stadt und Landschaft.
In den aufgeweiteten Bereichen der Wohnanger entstehen wohnortnahe Treffpunkte, Kommunikationsorte und unterschiedliche Identifikationsräume. Kleinteilige Nachbarschaften fördern das Miteinander unterschiedlichster Sozial- und Altersgruppen. Ein vielfältiges Fuß- und Radwegenetz, zum Teil auf Grundlage der aktuellen Verkehrsführung, schafft unabhängig vom Fahrverkehr zusätzliche Verbindungen zwischen den einzelnen Quartieren und Freiräumen und vernetzt diese mit den umgebenden Stadt- und Landschaftsräumen. Flächen für den ruhenden Verkehr sind in ausreichender Zahl vorhanden. Parkiert wird straßenbegleitend und auf der jeweiligen Parzelle. Für den Geschosswohnungsbau sind Tiefgaragen vorgesehen.

 

Nord-Süd Trasse


Die neue Planstraße zwischen der Ortsumfahrung im Norden und der Bühlertalstraße / Ellwanger Straße bindet am bestehenden Kreisverkehr und am Landschaftspark zwischen offenen Landschaftsbereichen und extensiver Zone im Norden an die Tüngentaler Straße an. Dabei wird der Verlauf von den bestehenden Parzellen und Wegestrukturen und bei bestmöglichster Aufteilung der Landschaftsbestandteile auch von wirtschaftlichen Erwägungen bestimmt.

 

Bebauungsstruktur / Nutzungen


Um den neuen Quartiersplatz gruppieren sich die dichteren Bebauungsbereiche des Gebietes mit zum Teil öffentlichen Nutzungen wie einem Café am Quartiersplatz. Vom Quartiersplatz aus, teilt der Grüne Korridor das Quartier in zwei Stadtfelder, die jeweils durch die Grünen Finger in vier Quartiersinseln zoniert werden. Doppelhäuser, Einfamilienhäuser und gelegentlich Reihenhäuser werden entlang der Anger zu nachbarschaftlichen Hausgruppen kombiniert und sorgen für ein gesundes soziales Gefüge aus unterschiedlichen Bewohnergruppen insbesondere jungen Familien. Die Quartiere bieten in der Dimensionierung ihrer Baufelder und im Kontrast zwischen Bindung am jeweiligen Rand und Freiheit im jeweiligen Feld räumliche Stabilität und höchste Flexibilität in der Ausformulierung von Strukturen. Bestehende Hofanlagen werden behutsam integriert. Das Grundgerüst aus Erschließungsangern und Grünen Fingern bietet den Quartieren Stabilität für eine flexible Anordnung der unterschiedlichen Haustypen und für ein nachfrageorientiertes und bedarfsgerechtes individuelles Bebauungsangebot. Die prozessuale Entwicklung des Gesamtgebietes ist selbst in kleinen Teilabschnitten und unter Berücksichtigung einer sich verändernden Marktsituation innerhalb eines einzelnen Stadtfeldes möglich.

 

Klimagerechte Energieversorgung / Nachhaltigkeit


Bei der Entwicklung des neuen Quartiers sollen alle Aspekte einer nachhaltigen umwelt- und flächenschonenden Bauweise beachtet werden. Um solare Energiegewinne abzuschöpfen wird die Bebauung weitestgehend nach Süden ausgerichtet. Abstände und Verhältnis der Gebäude zueinander reduzieren etwaige Verschattung und sorgen für eine gesunde Wohnumgebung. Dach- und Fassadenbegrünung sorgen für ein ausgeglichenes Quartiers- und Gebäudeklima. Die Größe der Parzellen und das Anlegen einer Quasi-Gartenstadt lassen Raum für eine nachhaltige Bewirtschaftung der eigenen Parzelle. Gebäude werden kompakt gehalten und in Passivbauweise errichtet.

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