Theresienstraße / Ludwigstraße

Jahr

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2015

mit

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Dipl.-Ing. Georg Lindenkreuz

 

Umfang

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Wettbewerbsverfahren

 

Auszeichnung

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2. Phase, 2. Rundgang

Erläuterungstext

 

Die Fußgängerzone in der östlichen Theresienstraße und Ludwigstraße ist eine der prominentesten Freiräume der Ingolstädter Innenstadt. Die historische Ost-West-Achse spannt sich zwischen Münster und Paradeplatz auf. Dabei übernimmt sie die Anbindung an das Glacis und weitere öffentliche Einrichtungen, wie dem reaktivierten Gießereigelände. Seit jeher wurde die Stadtachse von ihrer Funktion als überregionaler Handelspunkt geprägt. Heute stellt eine vielfältige Durchmischung von Einzelhandel, Gastronomie und Clubs in den Erdgeschosszonen hohe Ansprüche an den öffentlichen Freiraum.

Um Flächenbesetzungen im öffentlichen Interesse und zum Wohle aller Nutzer zu lenken und vor allem den Nutzerinnen und Nutzern einen attraktiven Stadtraum anzubieten, bedarf es einer klaren, strukturierenden Aufwertung.

 

Als neuer gestaltprägender Belag für die Fußgängerzone bietet das „Stadtparkett“ Raum für vielfältige Nutzungsansprüche. Geschaffen wird ein ruhiger, edler Untergrund der sich zwischen die bestehenden Gebäude fügt und durch die Wahl seine Materialität an das Vorhandene  anknüpft, sich jedoch mit einer besonderen Gliederung – durch längliche Steinformate als identitätsstiftender Ort abhebt.

 

Entlang der Ost-West-Achse wird auf dem „Parkett“ eine Abfolge verschiedener Räume inszeniert. Dabei werden thematisch fünf stadträumlich und historisch wichtige Orte herauskristallisiert und gestalterisch ausformuliert. Es entstehen besondere Akzente, die die Orientierung und die Aufenthaltsqualität in der Fußgängerzone steigern. Folgende Orte werden von Ost nach West etabliert:

 

„Das Willkommen“

Der Übergang zwischen vorhandenem und neugestaltetem Belag wird mit Hilfe von Plattenbändern aus Naturstein geschaffen. Diese liegen wie ein „Teppich“ auf dem Parkett. Darüberhinaus wird in diese Platten das folgende Zitat von Adam Weißhaupt, einem berühmten Bürger Ingolstadts, eingelassen: „Willst du aber Weisheit lernen, willst du lernen Menschen klüger, besser, frey und glücklich machen, so sey uns dreymal willkommen.“ Durch das Übertreten dieser „Schwelle“ wird das Ankommen im westlichen Bereich der Fußgängerzone deutlich spür- und erlebbar. Weiterhin werden große, mobile Sitz- und Pflanzelemente etabliert die den Auftakt der Fußgängerzone kennzeichnen und durch ihre wechselnde Bepflanzung farbige Akzente setzten und einladen auf Besucher wirken.

 

„Der Schliffelmarkt“

Seit jeher historische Stadtmitte, wird der Schliffelmarkt mit einem Formatwechsel besonders markiert. Polygonale Platten gerahmt durch ein Plattenband und eingefasst durch eine Linie aus Messing zeichnen das neue Wasserspiel aus tanzenden Fontänen – den „Rosenbrunnen“. Die Wasserdüsen, ebenfalls gefertigt aus Messing stellen stilisierte Rosenblühten dar und liegen wie Intarsien im Belag. Besonders in der heißen Jahreszeit wird das Wasserspiel ein Anziehungspunkt für Groß und Klein.  Die vorhandenen Möbel werden erhalten, neu beschichtet und gefärbt (messingfarben) und in die Gestaltung aufgenommen. Die zahlreichen neuen und überarbeitenden Sitzmöglichkeiten bieten die Möglichkeit zum gemeinsamen Treff, Aufenthalt und Austausch –dem „Schlüffeln“.

 

„Die grüne Pause“

Im Bezug zur südlich liegenden Stadtbibliothek wird unter Gehölzen ein Raum der Ruhe und des Lesens geschaffen. Zu den bestehenden zwei Bäumen kommen zwei Neupflanzungen. Die Baumscheiben der vier Gehölze werden aus dem gleichen Material wie die Einfassung und die Düsen des Wasserspieles und die geplanten Intarsien geschaffen. Als gestalterische Geste werden die Baumscheiben mit eingefrästen Buchstaben gestaltet. Ein öffentlich zugängliches Bücherregel leistet einen kulturellen Beitrag und dient gleichzeitig als subtiler Hinweis für den Zugang zur Bücherei. Große Sitz- und Liegeflächen bieten öffentlichen Raum zum Erholen.

 

„Das Alte Ostertor“

Der Verlauf der ehemaligen Stadtmauer wird durch dezente Bänder aus Messing nachgezeichnet. In einem Teilbereich wird der Belag verändert und die Dimension der alten Mauer mit Hilfe des historischen oder eines  vergleichbaren Materials verdeutlicht.  

 

„Der Auf-Takt am Paradeplatz“

Der Paradeplatz bildet den östlichen Eingang zur Fußgängerzone. Je nach Laufrichtung wird das Betreten oder Verlassen der Fußgängerzone merklich erlebbar gestaltet. Auf einer neugeschaffenen „Schwelle“ aus Natursteinplatten werden die Noten des Bayrischen Defiliermarsches von Adolph Scherzer abgebildet. Das berühmte, in Ingolstadt komponierte Musikstück kann in einem festzulegenden zeitlichen Rhythmus oder durch einen bestimmten Auslöser ertönen und so zum „Tanz auf dem Parkett“ animieren.

 

Zwischen den Themenpunkten liegen funktional gegliederte Abschnitte, welche mit einem Material- bzw. Multifunktionsband markiert werden. Dieses Band nimmt die alltäglichen Ansprüche der Nutzer auf und gliedert die Flächen. Dadurch können Schaufenster- und Flanierzonen weitestgehend von Möblierung freigehalten werden.

Erreicht wird diese Zonierung über zwei unterschiedliche Steinformate innerhalb des „Parkettbodens“. Unterstützend wird das Multifunktionsband durch eine begleitende Entwässerungsrinne gefasst. Südlich davon gliedert, den nördlichen Fassaden zugeordnet, eine weitere offene Rinne den Raum. Dezente Bodenleuchten - angegliedert an diese Rinne schaffen zusätzlich zur den vorhandenen Lichtquellen eine dezente und akzentuierte Beleuchtung.

 

Das „Stadtparkett“ schafft es einerseits einen hohen Grad an Ordnung und Orientierung zu kreieren, dadurch das Hauptaugenmerk auf die wunderschönen Fassaden der Stadt zu lenken und anderseits dem Nutzer maximale Flexibilität zum Aufenthalt, Flanieren und Feiern zu ermöglichen.

 

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