1. Preis |    Chorweiler

Jahr

-

2015

Umfang

-

Wettbewerbsverfahren

 

Mit

-

Dipl.-Ing. Architektur Georg Lindenkreuz

Dipl.-Ing. Patrick Hesse, Freier Architekt

 

Auszeichnung

-

1. Preis

 

Modellfotos

-

scheuvens + wachten GBR

Erläuterungstext

 

Ausgangssituation

Das zu bearbeitende Entwurfsgrundstück befindet sich zwischen dem Gebiet der Stadterweiterung Trabantensiedlung Köln-Chorweiler aus den 70/80er Jahren und den weiter westlich gelegenen Aussenbereichen mit einer hohen landschaftlichen Qualität und Naherholungsgebiete wie beispielsweise dem Fühlinger See.

 

Entwurfskonzept

Zielstellung des Entwurfskonzepts ist die Ausbildung eines deutlich gefassten Quartiers mit einem eigenständigen räumlichen Charakter und einer identitätsstiftenden Ausstrahlung für den gesamten Stadtteil und darüber hinaus. Die Integration in die bestehende städtebauliche Struktur Chorweilers durch eine stadträumliche Weiterentwicklung der vorhandenen Raumstruktur über die Hierarchisierung und Gliederung der Außenräume ist erklärtes Ziel der städtebaulichen Setzung.

Die besondere Geometrie des Grundstücks wird durch räumliche Kanten nach Außen hin gefasst.Zur Straße wird eine klare Raumkante ausgebildet. Gegenüber einer räumlichen Aufweitung (zurückspringendes Parkhaus) wird mit einem Hochpunkt der Quartierseingang markiert. Dort gelangt man in das Innere des Quartiers.Hier ist das Wohnquartier  durch den von Ost nach West verlaufenden Raum, den „Anger“ geprägt. Dieser,sich in der Mitte aufweitende Raum, verbindet qualitativ hochwertige, öffentliche Aufenthaltsbereiche mit der Quartierserschliessung in Form eines ´shared space´. Der Anger funktioniert als sozialer Treffpunkt, Kommunikationsraum und identitätsstiftendes Element innerhalb des Quartiers.Hier trifft man sich, Kinder spielen, ältere Herren diskutieren bei einer Partie Boule. Am breitesten Bereich lagert sich der Quartierstreffpunkt an und bespielt einen besonders gestalteten Außenraum.Nördlich an den Anger anschließend bilden zwei sich nach Süden öffnende Wohnblöcke Höfe aus. Diese zum Anger hin leicht erhöhten Bereiche schaffen Raum für die Mietergärten zu den Erdgeschosswohnungen, Kleinkindspielbereiche und gemeinschaftlich genutzte Gartenparzellen. Dort ist eine besondere Form der Gemeinschaft, Kommunikation und des ökologischen Austauschs möglich. Die Bewohner des Quartiers können in ihren eigens gemieteten Gartenparzellen beispielsweise Gemüse und Obst anbauen. Die östlich freibleibende Fläche funktioniert als landschaftlicher Endpunkt des Quartiers und Übergangsbereich zu den sich anschließenden Grünräumen. Auf dieser Fläche ist ein Obsthain mit alten mitteleuropäischen Obstbaumsorten angedacht. Dieser ist vielfältig für Quartiersbewohnerund andere ChorweilerBürger nutzbar.

 

Quartierserschließung

Fußläufig und mit dem Fahrrad ist das Quartier über den Anger und die Verzahnungen nach Norden und Süden angenehm durchlässig. Motorisierter Verkehr innerhalb des Quartiers soll weitestgehend minimiert werden. So kann man als Anlieger nördlich über die Swinestraße in das Quartier hineinfahren und erreicht unmittelbar die Tiefgaragenzufahrt oder die verschiedenen, den Wohngebäuden zugeordneten Parkbereiche unter Bäumen.Die östliche Zufahrt führt über den Anger zu den, an die Wohngebäude angeschlossenen, Parkbereiche im Süden undOsten. Darüber hinaus existiert eine Verbindungsschleusefür Feuerwehr und Krankenwagen durch den Anger.

 

Wohntypologien

Die angestrebte Wohnungsvielfalt und damit auch eine gesunde Durchmischung des Quartiers soll über ein flexibles Grundrisssystem erzielt werden. Dieses System mit einer innenliegenden Spange aus Nasszellen und/oder Flurbereichen ermöglicht flexibel gliederbare Wohngeschosse.Somit sind verschiedene Wohnungsaufteilungen aus 3 oder 4-Spännern mit Wohnungsgrößen von 1 bis 5-Raumwohnung möglich. In den beiden nördlichen Wohngebäuden ist jede Wohnung gänzlich oder teilweise zum Innenhof orientiert. In allen Wohnungen mit mehr als 2 Zimmern ist ein Durchwohnen möglich.Die südlich im Quartier liegenden, frei finanzierten Wohnzeilen bauen ebenfalls auf dem Raster auf und besitzen etwas mehr Tiefe zu Gunsten noch großzügigerer Wohnungszuschnitte.

 

Materialität und Konstruktion

Nach Außen sind die Wohngebäude durch eine zurückhaltende Selbstverständlichkeit geprägt.

Im Sinne eines nachhaltigen Gebäudekonzepts soll auf ein Wärmedämmverbundsystem verzichtet werden. Stattdessen werden verputzte Porenbetonsteine mit einer hohen Dämmfähigkeit eigesetzt.Durch seine Eigenschaften eignet sich der klassische Massivbau aus tragenden Wänden und Betonflachdecken noch immer am besten für den Wohnungsbau. Gliederung, Öffnungsverhalten und die physische Schwere des Materials prägen den Ausdruck der Fassaden.Ein Massivbau, der auf eine hohe Lebensdauer mit beständiger Qualität ausgelegt ist, stellt einen nachhaltigen Beitrag zur gegenwärtig geführten Ökologiedebatte dar. Einfache Konstruktionen sind leicht instand zu halten und garantieren einen beständigen Wert über lange eine Zeit. Der Verzicht auf erdölbasierte Verbundwerkstoffe und komplizierte Verbindungen garantiert eine einfachere Instandhaltung als vergleichbare Fassade mit Wärmedämm-Verbundsystem. Eine weitere Qualität des klassischen Massivbaus stellen inhärente klimatische Eigenheiten dar. Die hohe thermische Kapazität der Bauteile garantiert ein stabiles Raumklima. Die 2.60 Meter hohen Räume garantieren eine angenehme Lichtverteilung im Raum.

 

Klimagerechte Energieversorgung / Nachhaltigkeit

Bei der Entwicklung des neuen Quartiers sollen alle Aspekte einer nachhaltigen umwelt- und flächenschonenden Bauweise beachtet werden. Um solare Energiegewinne abzuschöpfen wird die Bebauung weitestgehend nach Süden ausgerichtet. Abstände und Verhältnis der Gebäude zueinander reduzieren etwaige Verschattung und sorgen für eine gesunde Wohnumgebung.  Eine dezentrale Energieversorgung durch Blockheizkraftwerke ist Bestandteil des Konzeptes. Regenerative Energien wie Solarenergie und Solarthermie könnten auf den Gebäudedächern flächendeckend installiert werden. Dach- und Quartiersdurchgrünung sorgen für ein ausgeglichenes Quartiers- und Gebäudeklima. Gebäude werden kompakt gehalten und in klimatischen Standards weit über gesetzlichem Niveau errichtet. Die verdichtete Bebauung vermindert den Energiebedarf des neuen Quartiers. Kurze Wege im Quartier und eine gute Anbindung auch abseits der motorisierten Verkehrswege an die Versorgungsbereiche des Stadtteils Chorweiler sorgen für eine umweltfreundliche und gesunde Lebensweise.

Zurück