Anerkennung |    Hyperschale

Jahr

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2016

Umfang

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Wettbewerbsverfahren

 

Auszeichnung

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Anerkennung

 

Erläuterungstext

GESCHICHTLICHE EINORDNUNG

Das Bearbeitungsareal auf der Rotehorninsel blickt auf eine lange Tradition der Freizeit- und Erholungsnutzung zurück. Bereits in der ersten Hälfte des 19.Jh. wurden die hier angesiedelten Schankwirtschaften beliebtes Ausflugsziel für die Magdeburger Bevölkerung. Nach Vollendung des Stadtparks und Ausbau des Heinrich-Heine-Weges entstand hier der erste Festplatz für Schützen- und Turnveranstaltungen.

Nach dem I. Weltkrieg und nach der Vollendung des Stadtparks Rotehorn wurde, unter dem Stadtbaurat Bruno Taut, die Umwandlung des Festplatzes in ein Ausstellungsgelände eingeleitet. Bedeutende Architekten wie Albin Müller (Albinmüllerturm und Pferdetor) und Johannes Göderitz (Stadthalle) hinterließen ein einmaliges Ensemble auf dem Ausstellungsgelände.

Durch die Zerstörung des II. Weltkrieges wurde, nach dem Wiederaufbau der Stadthalle, das Areal erneut umarrangiert. Im Sozialismus entstanden der Kulturpark Rotehorn sowie eine Erweiterung nördlich der Stadthalle als Kultur- und Freizeitzentrum, mit dem architektonischen Highlight der Hyparschale von Ulrich Müther.

 

KONZEPT

Das heute vorgefundene Areal zeugt sichtbar von dieser bewegenden Geschichte und ist, als baulicher Zeitzeuge besonders geprägt durch die herausragenden architektonischen und gartenhistorischen Preziosen. Das Konzept "Kulturforum" behandelt diese wie Ausstellungsstücke und möchte sie im neuen Kontext museal präsentieren. Die Freiraumtypologie wird, in Anlehnung an die antiken Foren, als Einheit zwischen Gebäude und Platz verstanden, die Raum für öffentliche Treffen und Veranstaltungen schafft.

Um dem Stadtpark Rotehorn als Kulturdenkmal gerecht zu werden, wird der bis 2009 erarbeitete denkmalpflegerische Rahmenplan dem Konzept zugrunde gelegt und übernommen. Das Erschließungssystem wird funktional weitergedacht und ergänzt.

 

ERSCHLIEßUNG

Da die zukünftig geplante Hauptanfahrt über den Neubau der verlängerten Stadtparkstraße erfolgen wird, sieht das Erschließungskonzept den dringend erforderlichen PKW-Parkplatz westlich der neuen Pappelallee mittels einer separaten Anfahrtsspur vor. Eine mögliche temporäre Erweiterung für Großveranstaltungen nach Süden ist möglich. Das angedachte Parkhaus könnte den Parkplatz an dieser Stelle ersetzen, allerdings wurde im Rahmen dieses Wettbewerbs darauf verzichtet um die monetären Ressourcen nicht zu Ungunsten der Gestaltung der Freiflächen zu binden. Die temporären Andienungs- und Rettungswege verlaufen über den befahrbaren Forumsplatz. Ergänzende Stellplätze werden westlich der Stadthalle (für Mitarbeiter) und um den Heinrich-Heine-Platz (für Besucher des Museumsschiffes, und der Stadthalle) erhalten. Der Kleine Stadtmarsch wird vordergründig zum Elbuferpromenadenweg und ist nur in Sondersituationen für den Verkehr vorgesehen. Radabstellanlagen werden in unmittelbarer Nähe zu den Einrichtungen vorgesehen.

 

ENTWURF KULTURFORUM

Der zwischen Heinrich-Heine-Platz und Hyparschale aufgespannte Platz wird zur neuen Plattform für die Monumente und ihre zukünftigen Besucher. Gleichzeitig schafft er Raum für die vorhandenen und neuen Anforderungen an ein flexibel nutzbares Veranstaltungsareal. Das Forum zoniert sich in folgende Bereiche:

Südlich der Stadthalle gliedern zwei großzügige Rasenspiegel den Eingangsbereich und nehmen die Bestandsgehölze auf. Östlich davon weisen Fahnenmasten und eine Bronzeintarsie der ehemaligen Pergola zum Albin-Müller-Turm und dienen gleichzeitig als Auftakt zum in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Promenadenband. Unmittelbar östlich der Stadthalle werden die grünen Rasenflächen in geschnitte Eibenheckenelemente umgewandelt um die Gliederung der Fassade zu unterstützen. Davor werden, im Übergangsbereich zur Mittelachse des Festplatzes des Stadtparks bodenbündige Natursteinbänder eingelassen. Zwischen diesen unterstreichen Nebeldüsenfelder zusätzlich die Verbindung bis zum Adolf-Mittag-See. Nördlich des Pferdetores wird eine 3-reihige Gehölzalle als neues verbindendes Element vorgesehen, welche Besucher bis zur Hyparschale und den Stellplätzen führt. Das leuchtende Rot der vorgesehenen Amberbäume wird im Herbst zum Highlight werden. Die Allee schafft gleichzeitig die subtile Abgrenzung zwischen Veranstaltungsplatz und Stadtpark und bietet schattige Aufenthalts- und Sitzbereiche.

Der Platz selbst spannt sich zwischen Stadthalle und Hyparschale auf und wird durch eine auffallende parkettähnliche Musterung im Belag akzentuiert. Die mit dunklen Klinkersteinen versehenen Bänder im hellen Ortbeton verweisen auf das prägnante Logo der Theaterausstellung Magdeburg von 1927 und inszenieren das Thema des Magdeburger `M´ auf dem Platz. Über die großen Fugen der Intarsien erfolgt gleichzeitig die Entwässerung des Platzes, barrierefreies Bewegen ist auf den Ortbetonflächen durchgängig gewährleistet. Der Verweis auf die, für das Areal so bedeutende Epoche, kann besonders vom erhöhten Blickwinkel des Albin-Müller-Turms aus überblickt werden und harmoniert gleichzeitig mit der expressiven Formensprache der Hyparschale.

Den westlichen Abschluss schafft eine fliegende `lange Bank´ mit integrierten ausladenden Mastleuchten, welche ebenfalls das Thema interpretieren. Die Raumskulptur wird zum unverwechselbaren neuen Element des Platzes und kann Sitzplätze für Veranstaltungen schaffen. Als möglicher Bühnenstandort wird die Nordseite der Stadthalle vorgeschlagen.

Zwischen Forum und Elbuferweg wird die Grünfläche gesondert gestaltet. Hier entsteht im Übergang zu den natürlich anmutenden Elbwiesen eine lockere Pflanzung, ergänzend zu den erhaltenswerten Trompetenbäumen, mittels mehrstämmiger Blühgehölze (Kupferfelsenbirne). Sie schaffen einen durchlässigen vegetabilen Rahmen um das Kulturforum und begrünen den östlich angrenzenden Parkplatz. Die Sichtachse zum Magdeburger Dom wird dabei berücksichtigt. Begeh- und befahrbare Betonbänder (auch als Rettungszufahrt nutzbar) liegen in der Wiesenfläche und verbinden das Kulturforum mit dem Kleinen Stadtmarsch. Somit tritt auch die Hyparschale wieder stärker ins Bewusstsein der Besucher. Die großzügige und robuste Gestaltung der Außenanlagen kann dabei flexibel auf die neuen Nutzungen, z.B. als Versammlungs-, Ausstellungs- oder Verkaufshalle, reagieren.

 

Das Konzept des Kulturforums möchte bestehende Qualitäten aufgreifen und sie in einen neuen Kontext stellen der einen angemessenen Rahmen schafft und gleichzeitig die Vielfalt der aktuellen Ansprüche sinnvoll und funktional berücksichtigt.

 

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