
Das Gebiet um die westliche Lommatzscher Straße im Dresdner Stadtteil Kaditz-Mickten ist geprägt durch seine heterogene Bebauungs- und Raumstruktur aus verschiedenen Bauzeiten. Die Nahtstellen zwischen den verschiedenen Quartieren und Freiräumen sind bisher unbesetzt und so bietet dieser Stadtteil zusammen mit dem südlich angrenzenden ‚MiKa-Quartier‘ eines der größten Potenziale für die Innenentwicklung der Stadt.
Der Umgriff Lommatzscher Straße – Bunsenstraße – Fechnerstraße – Wächterstraße zeichnet sich durch seine Grüne Mitte aus wilden, baumbestanden Wiesen und Kleingärten aus. Diese Grüne Mitte wird räumlich konstituiert und mithin im Stadtgrund manifestiert. In perspektivischer Verlängerung der Schenkendorfstraße entsteht eine Fuß-und Radwegeverbindung, die die Quartiere in Nord-Süd-Richtung über die Lommatzscher Straße hinweg vernetzt. Mit dem Quartier Fechner Straße wird der erste Baustein der stadträumlichen Neuordnung in diesem ‚Zukunftsstadtteil mit Tradition‘ gesetzt.
Das Quartier setzt sich zusammen aus dem Ensemble dreier baugleicher Wohngebäude, das mit seiner gestaffelten Baukörperkomposition den Geist der umgebenden historischen Bebauung weiterdenkt, einer langgestreckten Reihenhauszeile mit 15 Einheiten und dem Ersatzneubau Fechnerstraße 21/23 mit zentraler TG-Zufahrt und einem Gemeinschaftsraum. So entstehen, mit Fokus auf Familien, insgesamt 115 Wohnungen mit 4 bis 5 Räumen. Als räumliches Herz des Quartiers übernimmt der lang gestreckte Quartiersplatz auch die Funktion der neuen Nord-Süd-Verbindung im Stadtteil. Er wird seitlich begrenzt durch die charakteristischen Mehrfamilienhäuser mit großen Eckterrassen einerseits und durch den Kolonnaden-bestandenen Vorbereich der Reihenhäuser auf der anderen Seite. Große Decks unter dem Vordach bilden die individuellen Eingangssituationen und bringen besondere gemeinschaftliche Aufenthaltsqualität für die Einheiten, die auf deren Rückseiten noch durch private Patio-Gärten ergänzt wird. Südlich wird der Quartiersplatz durch einen kleinen Gemeinschaftsplatz mit Festpavillon abgeschlossen.
| Leistung | Neubau eines genossenschaftlichen Wohnquartiers |
| Ort | Fechnerstraße, Dresden-Kaditz |
| Bauherrin | Sächsische Wohnungsgenossenschaft Dresden eG |
| Jahr | 2024-2025 |
| Größe | 1,6 ha, ca. 21.000 m2 BGF, 115 WE |
| Beauftragung | Rahmenplanung LPH 1-3, Objektplanung Hochbau und Freianlagen LPH 2-4 |
| Visualisierung | Lindenkreuz Eggert | Bildermacherei & Utopografie, Vogelperspektive QF1 |
| Bearbeitungsstand | abgeschlossen |




Die Eckbalkone der drei großen Wohnhäuser fungieren als großzügige Außenzimmer und ermöglichen vielfältige Nutzungen und kommunikative Sichtbeziehungen zwischen den BewohnerInnen. Grüne Fassaden aus durchgefärbten Faserzementwellplatten im Wechsel mit Gesimsen und Fensterprofilen in Weißaluminium bestimmen den Charakter der Anlage. Ergänzt wird der Materialkanon durch senkrecht oder über Fallarme geführte Stoffmarkisen, hölzerne Gliederungselemente an den Reihenhäusern und Balkonbrüstungen aus gelochtem Wellaluminium bzw. Gitterrost. Die grün-weißgraue Farbkombination wird durch bordeauxrote Akzente ergänzt.



In Verbindung mit den Freiräumen entwickelt sich das Ensemble zu einem markanten Ort mit einer eigenständigen Identität. Hier wird die Blau-Grüne Infrastruktur gestalteter und vielfältig erlebbarer Bestandteil des Quartiers. Dabei zeigt sie sich in zwei grundsätzlichen Qualitäten: Um die Wohngebäude verläuft umlaufend eine Rinne, die die privaten Gärten von den (halb)öffentlichen Räumen trennt. Hierin wird das Regenwasser von den Wohngebäuden und den Platzflächen geleitet. Von den mit Flusskieselsteinen besetzten Rinnen im Norden und Süden fließt das Regenwasser in ein üppig bepflanztes Tiefbeet entlang des Quartiersplatzes. Darüber führen kleine Stege über zu den Wohnungsgärten. Die Eingänge und Hofzugänge werden über steinerne Brücken erreicht. Im Innenhof wandelt sich das Bild von einer linearen Rinnenstruktur zu einer bewegten Retentionslandschaft mit Überlaufflächen, die die vielfältigen gemeinschaftlichen Nutzungsangebote im Hof strukturiert. Bei stärkeren Regenereignissen gelangt das Wasser aus dem Tiefbeet über Kanäle zu den großen Versickerungsflächen im Hof. Diese füllen sich bis zu einem bestimmten Wasserstand. Bei Starkregen läuft das Wasser über Überläufe in Rigolen, die im Untergrund an die versicherungsfähigen Bodenschichten angekoppelt sind.

