
PASSAGE Ein Weg der nur in dem Augenblick besteht, in dem Du ihn gehst.
Die deutsche Kriegsgräberstätte liegt am nordwestlichen Ortsausgang der dänischen Kleinstadt Oksbøl, die zur Varde Kommune in West-Jütland gehört. Die Kriegsgräberstätte geht zurück auf das Flüchtlingslager Oksbøl, das zeitweise von bis zu 36.000 Menschen bewohnt wurde. In den zwei erhaltenen ehemaligen Lazarettbaracken entstand das Museum für Flucht und Vertreibung FLUGT - ein Museum zum Thema Flucht von BIG Architekten. Auch der Friedhof verfügt über ein kleines Gebäude, in dem eine Ausstellung an die Situation der Flüchtlinge erinnert und über die weltweite Arbeit des Volksbundes informiert. Um die Symbiose beider Orte, des Friedhofes und des Museums, zu verstärken, ist eine räumliche Verbindung vorgesehen. Der Ausstellungspavillon wird saniert und ein neues, angepasstes Wegenetz spannt sich zwischen den verschiedenen Bestandteilen der neuen Ausstellungen auf. Dabei soll der Charakter des Friedhofes erhalten bleiben, jedoch alt und neu harmonisch zusammengefügt werden.
| Leistung | Landschaftsarchitektur |
| Art der Beauftragung | Direktbeauftragung |
| Ort | Oksböl, Dänemark |
| Auftraggeber | Volksbund Deutsche Kriebsgräbervorsorge e.V. |
| Partner | Sanierung Ausstellungsgebäude: kursiv | text – objekt – raum GmbH |
| Jahr | 2022-2025 |
| Größe | 7500 m² |
| Copyright Fotos | NemByg A/S |


Historische Schicht:
Der etwa ein Hektar große Friedhof wurde von Flüchtlingen angelegt, die im Lager Oksbøl untergebracht waren. Ein Steinwall aus Feldsteinen umschließt die Anlage. Insgesamt sind dort jetzt 121 Soldaten und 1.675 Flüchtlinge des Zweiten Weltkrieges bestattet. Der Friedhof gliedert sich in drei Grabfelder, die jeweils durch beeindruckende Rhododendron-Hecken voneinander getrennt sind. Natursteinkreuze, die auf Vorder- und Rückseite die Namen und Daten von je zwei Toten tragen, kennzeichnen die Gräber. Ein Hauptweg aus polygonalen Natursteinplatten führt von einem kleinen Parkplatz im Norden zu einem drei Meter hohen Bronzekreuz auf einem kleinen Platz. Die Materialien sind zurückhaltend, still und robust. Die gesamte Anlage wirkt aufgeräumt und geradlinig.
Neue Schicht:
Im Westen wird ein neuer, untergeordneter Eingang in Richtung des Museums FLUGT ergänzt, der Menschen einlädt, den Friedhof zu begehen. Von hier aus führt der teils als Steg ertüchtigte neue Weg bis zum sanierten Ausstellungsgebäude im Osten der Anlage. Bestehende Wegeabschnitte aus polygonalen Natursteinplatten werden nahtlos integriert. Die Passage wird von Grabkreuzen, Wiesen, Rhododendrenpflanzungen, dem großen Gedenkkreuz begleitet. Bänke fördern das Innehalten. Die neue Schicht wird über ein eigenständiges Material ablesbar.



Der neue Zugang im Westen der Anlage referenziert sich auf den bestehenden, nördlichen Zugangsbereich und arbeitet mit typisch lokalen Materialien. Eine Informationstafel erklärt den Zweck der Anlage. Vorhandener Baumbestand wird respektiert und ergänzt.



Trotz der beengten Platzverhältnisse zwischen den Grabfeldern kann eine neue Wegeverbindung geschaffen werden, die den Charakter des Ortes nicht zerstört. Der Nutzungsdruck, welcher zukünftig stärker auf diesen verwunschenen Ort wirken wird, konzentiert sich auf die neu geschaffenen Plätze. Für ein Begängnis der Grabflächen herrscht zukünftig eine Hürde. Der Steg berührt den Boden kaum. Er ist eine neue Schicht, 10cm über dem Boden. Ein Untergrund aus heimischen Kieselsteinen vermittelt und Wildkräutern wird es gelingen, hier zu wachsen. Der Steg weitet sich zu Sitznischen. Nischen, die Raum geben für eine andere Perspektive auf die Grabmale. Raum für Ruhe und Fragen.



Der Steg verzweigt sich und stößt durch die Rhododendren-Wand. So wird der Blick in die nächste Grüne Wiesenkammer ermöglicht und die Ausmaße des Friedhofs begreifbarer. Von den Bänken aus schweifen die Blicke über die Grabkreuze.



Der Platz am Kreuz wird sensibel erweitert. Er bildet den Mittelpunkt der historischen Anlage. Der neue Untergrund verweist auf eine neue Zutat. Sitzmöglichkeiten stehen zur Einkehr, für Ausblicke und als Ort der politischen Bildung im Freien zur Verfügung.



Der Ausstellungspavillon bekommt eine Terrasse. Groß, rahmengebend. Die Ausstellung kann in den Außenraum erweitert werden. Nach dem Besuch der kleinen Ausstellung können Besuchende, Schulgruppen und Angehörige sich hier sammeln und das Gesehene verarbeiten, sich austauschen. Hier ist ein Ort der Rückschau - der Blick zurück, über den gegangenen Weg.
Wer ist hier vielleicht wann schon gewesen? Was hat dieser Mensch hier gesehen?

