
Das zukunftsorientierte Hafenareal liegt am östlichen Stadtrand Kassels. Im Südwesten markiert die Fulda den Übergang zur Innenstadt und zum Park Karlsaue. Am östlichen Rand öffnet sich das Entwurfsgebiet zu einer weiten Landschaftsfläche, die über einen Fußweg mit der Losse verknüpft ist. Im Westen grenzen der Kasseler Hafen und die Halbinsel des Yachtclubs an. Diese besondere Lage, eingebettet zwischen Wasser- und Grünräumen, birgt großes Potenzial für die Entwicklung eines nachhaltigen, grünen Kreativquartiers unter dem Leitmotiv „Grün statt Grau“.
Das städtebauliche Konzept greift die vorhandene, lineare Hafenstruktur auf und entwickelt daraus eine eigenständige, zeitgemäße Formensprache. Im Gegensatz zur klassischen Blockrandbebauung setzt der Entwurf auf eine durchlässige und flexible Struktur. Statt kompakter, geschlossener Blöcke entsteht eine feingliedrige Komposition aus Zeilen- und Punktbauten, die vielfältige Blickbeziehungen eröffnet und differenzierte Freiräume schafft. So wird eine hohe räumliche Qualität mit lebendiger Durchmischung erreicht. Das Kreativquartier versteht sich nicht als fertiger Stadtraum, sondern als offenes System: ein robuster, anpassungsfähiger Rahmen, der Aneignung, Transformation und Weiterentwicklung zulässt. Zentrale Plätze mit unterschiedlichen Funktionen, darunter der Hafenplatz, der Fuldabalkon, die Hafenterrasse und der Kreativplatz, strukturieren das Quartier und bieten vielfältige Aufenthaltsqualitäten. Parallel zu den erhaltenen Gleistrassen entwickelt sich eine lineare Hafenpromenade, die als identitätsstiftendes Rückgrat das Kreativquartier mit dem Halbinselpark verbindet. Entlang dieser Achse setzt das denkmalgeschützte ehemalige Speichergebäude als höchster Baukörper des Quartiers einen markanten räumlichen Ankerpunkt. Im Kern verfolgt das Konzept das Ziel, Menschen mit Angeboten zusammenzubringen, anstatt sie räumlich oder funktional zu separieren. Auf diese Weise entsteht ein lebendiger, wandelbarer Stadtraum, der Offenheit, Gemeinschaft und Vielfalt fördert.
| Art des Verfahrens | Offener Wettbewerb |
| Preis | 1.Preis, Zuschlag |
| Ort | Kassel |
| Größe | 12,7 ha |
| BGF | ca. 39.000m2 |
| Jahr | 2025 |
| Bearbeitungsstand | Beauftragung Rahmenplanung, Gestaltungshandbuch, Bebauungsplanung |






Die Plätze fungieren als räumliche Ankerpunkte und bilden das Rückgrat des öffentlichen Lebens im Quartier. Eine starke Durchgrünung, insbesondere in Form einer prägenden Baumebene und ergänzender Fassadenbegrünungen, verleiht dem Stadtraum eine klare landschaftliche Dimension und trägt zu einem angenehmen Mikroklima bei. Blaugrüne Plätze mit integrierten Möglichkeiten des Regenwasserrückhalts stärken die Resilienz des Quartiers und bereichern die Aufenthaltsqualität. So entsteht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen bebauten und grünen Flächen, das klare Stadträume definiert und gleichzeitig vielfältige, zukunftsorientierte Freiraumqualitäten bietet. Entlang der östlichen Quartiersgrenze entwickeln sich differenzierte Erholungsräume, darunter Spielplätze, Nachbarschaftstreffpunkte, Obstgärten sowie ein Gemeinschaftsgarten für kollektive Nutzung. Diese Grünflächen öffnen sich über eine modellierte Muldenlandschaft zum angrenzenden Landschaftsraum und bilden eine weiche, naturnah geprägte Übergangszone. Besondere Akzente setzen ortsspezifische Freiraumgestaltungen: An der Rückseite des Speichergebäudes entsteht ein Kreativhof, in dem ein großflächiges Fassadenkunstwerk und eine Skulptur einen besonderen Ort der Begegnung schaffen. Dieser Hof dient als Open-Air-Veranstaltungsort für kulturelle Formate und regelmäßige Aktivitäten. Entlang der Hafenpromenade ergänzt ein urbaner Platz mit fußläufigen Aufenthaltsbereichen, direktem Blick auf das Hafenbecken und den Halbinselpark das Angebot. Er ist am historischen Standort des Lager- und Stapelplatzes angelegt. Eine Freiraumgestaltung mit großformatigen Betonplatten, die teilweise zu Sitzmöbeln gestapelt sind, machen diese Geschichte erlebbar. So wird ein öffentlich zugänglicher Ort geschaffen, der Begegnung, Entspannung und Perspektive verbindet.


Das Architekturkonzept greift die charakteristischen Bauformen des Hafens auf und entwickelt sie in zeitgemäßer Form weiter. Von den frühindustriellen Satteldachhallen über die Architektursprache des internationalen Stils mit Stahl- und Eisenkonstruktionen, weißen Putzfassaden, durchgehenden Fensterbändern und Laderampen entsteht eine gestalterische Klammer, die den historischen Kontext würdigt und zugleich neue Identität stiftet. Die modulare Typologie der Gebäude gewährleistet dabei eine hohe Anpassungsfähigkeit. Sie bildet die Grundlage für unterschiedliche Nutzungsszenarien und ermöglicht eine schrittweise, flexible Realisierung. Auf diese Weise entsteht ein robustes Quartier, das auf soziale, wirtschaftliche und ökologische Veränderungen reagieren kann und so dauerhaft Bestand hat. Besonderes Augenmerk liegt auf der Integration des Bestands, der den historischen Bezug sichtbar macht und die industrielle Herkunft des Ortes erlebbar hält. Gleichzeitig werden die Dachlandschaften als zusätzliche Ressource verstanden: Photovoltaik, Regenwassermanagement und Begrünungen tragen nicht nur zum Energie+ Quartier bei, sondern schaffen auch neue ökologische und atmosphärische Qualitäten.




