
Die Gemeinde Silberstedt im ländlichen Zentralraum Schleswig-Holsteins ist durch kleinteilige Wohnstrukturen, soziale Einrichtungen und landwirtschaftlich geprägte Freiräume bestimmt. Eine klar definierte Ortsmitte fehlt bislang. Das Wettbewerbsgebiet zwischen Schule, Kita, Sportanlagen, MVZ und Hauptstraße bietet aufgrund seiner zentralen Lage und der Bündelung wichtiger Infrastrukturen das Potenzial, eine identitätsstiftende Mitte auszubilden.
Die Einbindung in das Umfeld ist vielfältig: Gewerbe im Norden, Bildungs- und Betreuungseinrichtungen im Süden sowie Sport- und Landschaftsräume im Westen. Eine neue Ost-West-Verbindung bildet das räumliche Rückgrat, verknüpft die Hauptnutzungen und stärkt die fuß- und radläufige Erreichbarkeit. Zentraler Baustein ist der barrierefreie Dorf- und Marktplatz als ganzjährig nutzbarer Begegnungsort. Heller Klinkerbelag unterstützt die ortstypische Identität und reduziert sommerliche Aufheizung. Aufenthaltsbereiche und eine Bühne am Gemeindehaus ermöglichen flexible Nutzungen; eine angrenzende Festwiese ergänzt das Angebot. Der Generationengarten verbindet Schule, Kita und Gemeindeeinrichtungen als gemeinschaftlicher Grünraum. Neue Wohnbebauung fasst die Räume klar und sichert eine dauerhafte Belebung im dörflichen Maßstab. Die prägenden Knickstrukturen werden integriert und gestärkt, um landschaftliche Identität und ökologische Qualität zu sichern. Ein Flächentausch von Schule und Kita ordnet die Außenräume neu: gebündelte, geschützte Kita-Freiflächen sowie erweiterte, multifunktionale Schulfreiräume mit öffentlicher Nutzbarkeit außerhalb der Schulzeiten. Ergänzende Spiel- und Bewegungsangebote stärken das nachbarschaftliche Miteinander.
| Art des Verfahrens | Nichtoffener Städtebaulich-Freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb |
| Preis | 1. Preis |
| Ort | Silberstedt |
| Jahr | 2026-heute |
| Bearbeitungsstand | in Bearbeitung |




Zentraler Baustein der neuen Mitte ist das Gemeindehaus in regional geprägter, identitätsstiftender Architektur. Es interpretiert das Motiv des nordischen Langhauses zeitgemäß und verankert sich mit klarer, längsgerichteter Struktur im regionalen Kontext. Als sozialer Ankerpunkt bündelt es Kultur, Veranstaltungen und Gemeinwesen und ergänzt die öffentlichen Räume funktional wie atmosphärisch. Die barrierefreie Wohnbebauung sichert die Daseinsvorsorge und ermöglicht mit Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern vielfältige, anpassungsfähige Wohnformen. Eine flexible Parzellierung gewährleistet langfristige Entwicklungsfähigkeit bei stabilem städtebaulichem Grundgerüst. Im Osten wird die bestehende Hofstelle behutsam weiterentwickelt: Das Wohnhaus eignet sich für Wohnen und kleinteilige Gastronomie, die Scheune wird teilrückgebaut und ergänzt, um Raum für gemeinschaftliche oder medizinische Nutzungen zu schaffen. Der Substanzerhalt schont Ressourcen und bewahrt graue Energie. Kita und Schule werden bedarfsgerecht erweitert – durch eine westliche Ergänzung der Kita und eine Lernschwimmhalle für die Schule – und eng mit den neu geordneten Freiräumen verknüpft. So wird Silberstedt als Bildungs- und Familienstandort nachhaltig gestärkt.




Das Freiraumsystem ist integraler Bestandteil eines robusten Wasser- und Klimakonzepts. Entlang der Ost-West-Verbindung entstehen Retentionsflächen zur Regenrückhaltung und Versickerung; Muldenrigolen und offene Rinnen folgen dem natürlichen Gefälle und strukturieren das Niederschlagsmanagement. Bestehende Knicke und Gehölze werden weitgehend erhalten und durch standortgerechte Klimabäume ergänzt, um Biotopverbund und Resilienz zu stärken. Dach- und Fassadenbegrünungen verbessern das Mikroklima und fördern die Biodiversität. Photovoltaik mit Speicheroptionen sowie Zisternen zur Bewässerung unterstützen eine ressourcenschonende, lokale Energie- und Wassernutzung. So entsteht ein synergetisches System aus Wasser, Vegetation und Aufenthaltsqualität.
Die Wohnbereiche werden im Norden über einen verkehrsberuhigten Einbahnring und im Süden über eine angebundene Wohnstraße im Zweirichtungsverkehr erschlossen. Der Marktplatz bleibt für den motorisierten Individualverkehr eingeschränkt, wodurch Durchgangsverkehr reduziert und die Aufenthaltsqualität erhöht wird; Rettungs- und Entsorgungsverkehr sind gesichert. Der Entwurf priorisiert Fuß- und Radverkehr mit kurzen, sicheren Wegen zwischen Wohnen, Bildung und Gemeindeeinrichtungen. Eine neue barrierefreie Bushaltestelle mit Mobilitätsstation (Car- und Bikesharing, E-Laden, ggf. Paketstation) ergänzt das Angebot. Stellplätze sind differenziert organisiert, Besucherparken wird gebündelt. Die Straße Süderende wird funktional ertüchtigt und erhält einen durchgängig barrierefreien Gehweg mit sensibler Materialwahl zur Erhöhung der Verkehrssicherheit.


