
Inmitten des heterogenen Stadtgebiets Ottendorf-Okrillas, zwischen Gaswerkstraße, Radeburger und Dresdner Straße entsteht ein neues urbanes Quartier. Es verzahnt sich eng mit seiner gewachsenen Umgebung und Geschichte. Das starke Freiraumgerüst erschließt das Potential eines lebenswerten und durchgrünten Stadtkörpers, das bestehende und neue Nachbarschaften stärkt. Vernetzungen in die Landschaftsräume Moselbruch und Birkigt, zu den ÖPNV-Schnittstellen und den bestehenden Versorgungseinrichtungen, zum Schulcampus, dem Skaterweg und in die umgebenden Wohnquartiere schaffen ein Quartier der kurzen Wege. Dabei werden vor allem Fuß- und Radverkehre gezielt gefördert und attraktive Verbindungen geschaffen. Das Areal spannt sich zwischen zwei prägenden Polen auf: dem Bahnhof mit dem künftigen Mobility Hub im Süden sowie dem Alten Rathaus im Norden, das künftig zu einem Mehrgenerationenhaus mit Café umgebaut wird und von der unmittelbaren Nähe zum Pflegeheim profitiert. Dazwischen entwickelt sich ein inneres Rückgrat aus einer Abfolge von Quartiersplätzen und Gassen, die vom motorisierten Individualverkehr freigehalten werden. Dieses Netzwerk erschließt das Quartier für die Anwohnenden, fördert Begegnungen und schafft ein lebenswertes neues Zentrum. Das Herzstück bildet der Marktplatz rund um das neue Rathaus. Belebende Ladenflächen in den Erdgeschossen der umliegenden Gebäude sowie identitätsstiftende Relikte – der historische Schornstein als ikonische Landmarke und die Rahmenstruktur des alten Betonwerks – verleihen dem Ort einen einzigartigen Charakter. Im südlichen Baukörper des ehemaligen Werks wird die Gemeindeverwaltung integriert.
| Art des Verfahrens | Kooperatives Werkstattverfahren |
| Preis | 2.Preis |
| Ort | Ottendorf-Okrilla |
| Jahr | 2025 |
| Kooperation | ARGE mit Jordan Balzer Schubert Architekten |
| Bearbeitungsstand | abgeschlossen |



Die blaugrüne Fuge schafft eine markante grüne Adresse mit hoher ökologischer Qualität und übernimmt eine zentrale Rolle im Regenwassermanagement. Extensiv und artenreich gestaltet, nimmt sie das Oberflächenwasser der begrünten Quartiersgassen auf, hält es zurück und behandelt es ökologisch wirksam. Entlang der neuen Bebauung wird der Freiraum intensiver und vielfältiger ausgebildet; Aufenthalts- und Spielbereiche bilden hier eine lebendige Schnittstelle zum Stadtkörper. Offene Blockstrukturen entwickeln aus den Raumkanten ein starkes Ensemble und erzeugen rhythmisch angeordnete, multifunktionale Zwischenräume für Erschließung, Aufenthalt, Begrünung und Versickerung nach dem Stockholmer Modell.
Durch die direkte Anbindung an den Bahnhof im Süden ist das Quartier bestens ins Verkehrsnetz eingebunden. Ein inneres Rückgrat für Fuß- und Radverkehr reduziert den MIV. Eine separate Radtrasse entlang der Gleise bindet den schnellen Radverkehr an Zentren und Naherholungsräume an. Der MIV erschließt über Gaswerkstraße/Bahnhof und Radeburger Straße; zwei Quartiersgaragen für A3/A4 sowie Tiefgaragen für A1/A2 sichern die Stellplätze und unterstützen die zügige Quartiersentwicklung.

Im Norden entsteht mit dem Grünen Baumplatz ein neuer Nachbarschaftstreffpunkt, im Campusbereich bildet der Entréeplatz vor der Gesamtschule eine einladende Adresse. Die Gemeinschaftsschule ergänzt das Bildungsangebot und fügt sich in das Ensemble ein; die neue Turnhalle wird am grünen Saum der Radeburger Straße platziert und kann von Schule und Anwohnenden genutzt werden. Grundschule und bestehende Sporthalle werden durch eine Neuordnung der Sport- und Spielflächen aufgewertet, die Turnhalle an der Blöße erhält eine neue Nutzung als Veranstaltungs- und Trainingszentrum. Alle Sportanlagen sind gut erreichbar und von Stellplätzen flankiert; die Schulaußenanlagen liegen störungsfrei abseits der Haupterschließung. Ein neues Sportareal ergänzt das Bewegungsangebot mit Anbindung zum Skaterweg; das Wäldchen und weiterer Baumbestand bleiben weitgehend erhalten und werden ergänzt.
Im südlichen Baukörper des ehemaligen Betonwerks wird die Gemeindeverwaltung integriert. Nach dem Prinzip des „Hauses im Haus“ bleibt die historische Hülle erhalten und macht Identität und Geschichte weiterhin sichtbar und erlebbar. Die bestehende Gebäudestruktur eignet sich hervorragend für die neuen Verwaltungsnutzungen. Das Raumprogramm ist so organisiert, dass Ratssaal und Büros der Gemeindeleitung über der historischen Traufhöhe ablesbar sind und dem Gebäude eine klare Hierarchie verleihen.


Im Rahmen zweier Veranstaltungen vor Ort wurden die Ergebnisse der 1. und 2. Phase den Bürger:innen und dem Preisgericht präsentiert.

