
Leitgedanke einer zeitgemäßen Stadtreparatur
Die historische Altstadt Vaihingens bildet mit ihren über Jahrhunderte gewachsenen Stadträumen die Grundlage für eine nachhaltige Weiterentwicklung. Der derzeit brachliegende Bauplatz zwischen Graben- und Friedrichstraße stellt trotz seiner zentralen Lage eine städtebauliche Lücke dar. Ziel des Konzepts ist es, diese Lücke durch eine Weiterführung und zeitgemäße Interpretation des Vorhandenen zu schließen und ein funktionales Innenstadtquartier am Übergang zwischen Altstadt und historischer Vorstadt zu entwickeln. Raumgefüge, Topografie und Atmosphäre der Altstadt werden aufgegriffen und fortgeschrieben. Der Stadtspaziergang führt künftig über Markt- und Adlerplatz zu einer neuen Piazza an der Grabenstraße, dem „Rebenmarkt“, der als Mobilitätshub, Handelszentrum und Entrée in das neue Quartier fungiert. Die neu gestaltete Grabenstraße gewinnt damit ihre Rolle als identitätsstiftender Stadtraum zurück. Auch am Haspelturm entsteht ein neuer Platz, während das Ärztezentrum eine klare Eingangssituation zur Altstadt formuliert.
Das bestehende Wegenetz setzt sich über den Rebenmarkt in das neue Quartier fort. Ein Sockel nimmt die Einzelhandelsnutzungen auf und bildet ein Plateau, über dem eine offene Wohnbebauung mit drei begrünten Innenhöfen entsteht. Für die Gebäude gibt es zwei klare Grundtypen mit gegensätzlichen Dachformen und Balkonthemen: das Giebelhaus und das Galeriehaus. Die Erschließung des Einzelhandels erfolgt konzentriert und funktional, mit gemeinsamer Anlieferung und klar geregelten Zufahrten. Gestalterische Elemente wie Bogenöffnungen, Reben an Fassaden und Hofräumen nehmen Bezug auf die örtliche Weinbautradition. Die Wohnbebauung ist barrierefrei, gut belichtet und durchgrünt organisiert. Unterschiedliche Hof- und Baukörperabstände schaffen vielfältige Räume und eine hohe Aufenthaltsqualität. Es entsteht ein modernes, nutzungsgemischtes Innenstadtquartier mit klarer Orientierung, menschlichem Maßstab und starker stadträumlicher Einbindung.
| Art des Verfahrens | städtebaulicher Realisierungswettbewerb mit architektonischem sowie städtebaulich-freiraumplanerischem Ideenteil |
| Preis | Anerkennung |
| Ort | Vaihingen an der Enz |
| Jahr | 2025 |
| Bearbeitungsstand | abgeschlossen |








Das Projekt stärkt als innenstädtische Entwicklung mit hoher Nutzungsdichte eine nachhaltige Stadtentwicklung. Robuste Freiraum- und Gebäudestrukturen sichern eine langfristige Verankerung im Stadtgefüge; Dachflächen sind für Photovoltaik vorgesehen. Der Sockel wird als Retentionsdach ausgebildet: Niederschlagswasser wird gesammelt, zurückgehalten und gedrosselt abgeführt, ein Teil für die Bewässerung genutzt – mit positiven Effekten auf das Mikroklima. Unversiegelte Bereiche ermöglichen großkronige Bäume; artenreiche, pflegearme Pflanzungen und Baumstandorte nach dem Stockholmer Modell unterstützen das Schwammstadtprinzip.
Die Erschließung ist funktional klar organisiert: Eingänge sind umlaufend angeordnet und schaffen eine aktive Adressbildung, die Wohngebäude werden barrierefrei über die Plattform erreicht. Der Kfz-Verkehr wird über die Grabenstraße gebündelt; eine Lichtsignalanlage am Haspelturmplatz verbessert die Abwicklung und entlastet angrenzende Straßen. Westlich der Zufahrt wird der Verkehrsraum auf Bus-, Radverkehr und Car-Sharing reduziert – Grundlage für die Aufwertung der Grabenstraße.
Die Grabenstraße wird durch Rückbau von Parkierung, einen durchgängigen barrierefreien Belag und entsiegelte Grünbereiche entlang der Linden zum qualitätsvollen Stadtraum. Der „Rebenmarkt“ bildet als neuer Quartiersplatz das Entrée und verbindet Handel, Mobilität und Aufenthalt.


