
Der Südermarkt in Flensburg wird als historisch und gesellschaftlich bedeutender Stadtraum neu interpretiert, dessen Potenzial in den vergangenen Jahren durch räumliche Barrieren, funktionale Defizite und soziale Spannungen nur eingeschränkt zur Geltung kam. Die Neugestaltung setzt genau hier an und verfolgt das Ziel, den Platz wieder als identitätsstiftendes Zentrum der Innenstadt zu etablieren. Der Entwurf basiert auf einer klaren stadträumlichen Ordnung, die Offenheit, Orientierung und Zugänglichkeit in den Vordergrund stellt. Die bisherige, trennend wirkende Plattform wird zurückgebaut und durch ein durchgängiges, barrierefreies Raumgefüge ersetzt, das den Südermarkt mit seinem Umfeld verknüpft und neue Sichtbeziehungen schafft. Zentrales Element sind die Marktterrassen, die den Höhenunterschied zwischen Kirchvorfeld und Marktplatz nicht nur funktional überwinden, sondern zugleich als Aufenthaltsraum, Treffpunkt und soziale Bühne wirken. Durch diese räumliche Vermittlung entsteht eine neue Einheit zwischen sakralem Raum und urbanem Alltag. Ergänzt wird dies durch eine klare Wegeführung, die angrenzende Bereiche wie Nikolaihof, VHS und umliegende Straßen selbstverständlich integriert. Der Platz wird so als offener, vielseitig nutzbarer Stadtraum lesbar, der Sicherheit vermittelt, soziale Interaktion fördert und sowohl für alltägliche Nutzungen als auch für Veranstaltungen geeignet ist. Die Gestaltung folgt einer ruhigen, zeitgemäßen Formensprache, die den historischen Kontext respektiert und gleichzeitig eine neue, einladende Identität schafft.
| Art des Verfahrens | Zweiphasiger freiraumplanerisch-hochbaulicher Ideen- und Realisierungswettbewerb |
| Preis | ein 3.Preis |
| Ort | Flensburg |
| Jahr | 2026 |
| Größe | 1,6 ha |
| Bearbeitungsstand | abgeschlossen |




In der Ausarbeitung wird besonderer Wert auf eine präzise, langlebige und nachhaltige Gestaltung gelegt, die funktionale Anforderungen mit gestalterischer Qualität verbindet. Das Materialkonzept setzt auf robuste, regionale Natursteine wie braunroten Granit, der eine visuelle Verbindung zu bestehenden Stadträumen herstellt und gleichzeitig eine hohe Widerstandsfähigkeit gewährleistet. Bestehende Pflasterflächen werden soweit möglich wiederverwendet, wodurch Ressourcen geschont und die historische Kontinuität des Ortes bewahrt werden. Möblierungselemente aus Holz und Metall sind zurückhaltend gestaltet, vandalismusresistent und auf eine langfristige Nutzung ausgelegt. Die Vegetation spielt eine zentrale Rolle für die Aufenthaltsqualität und das Mikroklima: klimatolerante Baumarten strukturieren den Raum, spenden Schatten und schaffen differenzierte Aufenthaltszonen. Gleichzeitig sind Pflanzflächen integraler Bestandteil eines nachhaltigen Regenwassermanagements, das über Tiefbeete, Retentionsflächen und offene Rinnen zur Versickerung und Verdunstung beiträgt. Auch die umliegenden Straßenräume werden durch diese Maßnahmen klimatisch und gestalterisch aufgewertet. Wasserelemente wie der neu interpretierte Brunnen, Trinkwasserspender und sichtbare Wasserführungen greifen die Geschichte des Ortes auf und machen sie im Alltag erlebbar. Insgesamt entsteht ein widerstandsfähiger, ressourcenschonender Stadtraum, der ökologische, soziale und gestalterische Aspekte in Einklang bringt und langfristig eine hohe Aufenthalts- und Nutzungsqualität sichert.




Die bestehende Plattform wird vollständig zurückgebaut und durch eine offene, zusammenhängende Platzfläche ersetzt. An ihren Endpunkten entstehen zwei Pavillons, die als integrale Bestandteile der Marktterrassen konzipiert sind und sich harmonisch in die Topografie einfügen. Ihre Gestaltung folgt einer robusten, zurückhaltenden Architektursprache mit einer massiven Granitschale und begrüntem Dach, wodurch sie als monolithische Elemente im Stadtraum wirken. Gleichzeitig ermöglichen vorgefertigte Module eine wirtschaftliche und flexible Umsetzung. Die Anordnung berücksichtigt wichtige Blickbeziehungen zur Kirche und zur historischen Apotheke. Drei Varianten zeigen unterschiedliche Nutzungs- und Organisationsmöglichkeiten: von getrennten, funktional ergänzenden Baukörpern (Variante M), über erweiterte öffentliche Nutzungen (Variante L) bis hin zu einer kompakten, kostenreduzierten Lösung mit ausgelagerten Funktionen (Variante S). Dadurch bleibt der Entwurf langfristig anpassungsfähig.


